ARCH ENEMY haben ihre Erfolgsformel gefunden. Die Alben der schwedischen Band klingen seit über einem Jahrzehnt alle gleich: CARCASS meets Power Metal. Vorhersehbar, aber auch massenkompatibel – nicht verkehrt, wenn man davon leben möchte. Und wenn die Gitarrenderwische Michael und Christopher Ammott mal aus ihrem Dahingeplätscher ausbrechen und richtig loslegen, bekommt noch der griesgrämigste Metalhead feuchte Augen.
Christopher Ammott ist nach dem letzten Album "Khaos Legions" (2011) ausgestiegen, Anfang dieses Jahres wollte auch Sängerin Angela Gossow nicht mehr brüllen. Beide verließen die Band im Frieden, was nichts daran ändert, dass ARCH ENEMY zwei ihrer Aushängeschilder verloren haben. Gut, der eine Ammott ist noch mit an Bord, doch wie ersetzt man Angela Gossow? Die Deutsche hat eine unverwechselbare Stimme, vor allem aber ist sie eine Frau und sieht ziemlich gut aus – im Death Metal eine Seltenheit und der Hauptgrund für ARCH ENEMYs andauernden Erfolg.
Folgerichtig also, dass Gossow von einer anderen gutaussehenden Frau abgelöst wird: Alissa White-Gluz aus Kanada, zuvor zehn Jahre bei THE AGONIST aktiv. Man kann diese personelle Entscheidung als sexistisch bezeichnen und damit außer Acht lassen, dass ARCH ENEMY eine stur auf Erfolg ausgerichtete Band sind, ein Produkt, und damit gewissermaßen mehr Pop als Metal. Mit einem männlichen Sänger bliebe ARCH ENEMY nur ein Bruchteil ihrer jetzigen Fans. Dass sie das nicht wollen, beweisen sie, indem sie Album für Album nach bewährten Mustern vorgehen.
Natürlich gibt es auch auf "War Eternal" keine großen Neuerungen, sondern – wie gewohnt – Metal, bei dem Mutti nicht meckert: Alle Ecken und Kanten weggebügelt, durch melodische Refrains zusätzlich verwässert. Angela Gossows Stimme machte diesen Sound etwas spannender, weil sie klang wie ein untoter Straßenköter, dem man auf den Schwanz tritt. Von ihrer Nachfolgerin Angela White-Gluz gibt es dagegen die Melodeath-Standardnummer, hochprofessionell und entsetzlich austauschbar. ARCH ENEMY beweisen damit einmal mehr, dass Seelenlosigkeit schlimmer ist als Stümperhaftigkeit.
Wer allerdings hätte gedacht, dass die Band nach dem mauen "Khaos Legions" und dem Weggang von Christopher Ammott noch einmal ein solches Riff-Feuerwerk raushauen würde? Über die einzelnen Songs muss nicht viel geschrieben werden, ARCH ENEMY machen auf "War Eternal" das, was sie auf den vorigen Alben auch gemacht haben, nur eben mit außergewöhnlich viel Energie und Biss. Die Songs zünden im Schnitt nach 0,5 Sekunden und bewegen sich fast ausnahmslos im oberen Tempo-Bereich – das entschädigt für die charakterlose Produktion des Albums, allerdings nicht für die charakterlose Stimme von White-Gluz. Ihr gelingt es, "War Eternal" ein gutes Stück in Richtung Durchschnitt zu rücken. Auch die scheußlichen Keyboard-Parts tun den Songs nicht gut.
FAZIT: Belanglosigkeit auf hohem Niveau: ohne Makel, aber auch ohne Seele. Die Band ist in Höchstform, die Songs funktionieren, doch es bleibt nichts im Gedächtnis, es fehlt jegliche Spannung, was in erster Linie an der profillosen neuen Sängerin liegt.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.06.2014
Sharlee D'Angelo
Alissa White-Gluz
Michael Amott, Nick Cordle
Daniel Erlandsson
Century Media
47:29
09.06.2014