Man erkennt auf diesem Versuch deutlich, welche Stücke wie von wem im Ensemble geschrieben wurden: Arve Henriksen komponierte im Team mit wechselnden Ergebnissen und stellte so ein Album zusammen, dass sich vielleicht am treffendsten als Freeform-Folk mit Anklängen hier und dort bezeichnen lässt. Scheuklappenfreie Akustikmusik? Aber hallo.
Dummer Audun Kleive (unter anderem Terje Rypdal) ist nur bei wenigen Stücken zu hören, die dann auch am zudringlichsten sind, etwa das fast traditionelles Lied "Hambopolskavalsen", in dem wie so oft die Nähe verschiedener Landestraditionen zueinander offenbar wird, klingt es doch leicht irisch von der Melodie her. Elegant tänzerisch hingegen wirkt "Keen", das fast mediterran warmes Flair verbreitet. Nordisch unterkühlt ist dennoch der allgemeine Tenor von "The Nature Of Connections", einem wie angedeutet sehr treffenden Titel für diese Scheibe.
Das Gros der Tracks muss sich erst langsam herausschälen, etwa das Beinahe-Begräbnisstück "Seclusive Song" oder "Budbringeren" und "Salm" die beide jazzig düster anmuten. Das cineastische "Hymn" schrieb indes der langjährige Keyboard-Kollege des Namengebers (Ståle Storløkken, unter anderem von MOTORPSYCHO und vor allem SUPERSILENT), ohne dass es wie ein Fremdkörper wirken würde.
Die an- und abschwellenden Sounds ("Bla Veg", das flirrende "Arco Akropolis") von Arve Henriksens neusten Werken wurden vortrefllich im Rainbow Studio von Jan Erik Kongshaug eingefangen, der so ziemlich alles an skandinavischem Jazz mit Rang und Namen betreut hat. "Aceh", ein verlorenes Tröten mit einzelnen gestrichenen Ansätzen, klingt deshalb fast so, als sei es dem Produzenten auf den Leib geschneidert worden - wie auch das Album insgesamt wie ein Dienstleistung der Beteiligten für sich selbst klingt: Das Beste aus dem machen, was man am besten kann ...
FAZIT: ... und das ist frei denken. Arve Henriksen bewegt sich auf "The Nature Of Connections" am Rande der Folklore und lässt keines seiner Stücke wie das andere klingen, schafft aber dennoch das Kunststück, von vorne bis hinten schlüssig zu bleiben. Heraus kommt stimmungsvolle und gar nicht sperrige Musik, die viele Assoziationen zulässt, ohne sich festnageln zu lassen - Jazz, der stilistisch strenggenommen keiner ist.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.08.2014
Mats Eilertsen
Arve Henriksen
Audun Kleive
Nils Økland, Gjermund Larsen (Geige), Arve Henriksen (Trompete), Svante Henryson (Cello)
Rune Grammofon
42:46
22.08.2014