Etwas überraschend gehörte der Vorgänger "Youngblood" zu meinen Top-5-Alben des Jahres 2013. Denn obwohl ich im Massen-Review dazu "nur" 12 Punkte gegeben hatte, war die Scheibe bald nicht mehr aus dem Player wegzudenken und lief auf Dauerrotation. Irgendwann hatte die Platte eben einfach durchgezündet und mich voll und ganz begeistert. Im Nachhinien wären 13 Punkte angemessener gewesen. Dementsprechend gespannt war ich auf "Pure Heavy", das überraschend schnell auf "Youngblood" folgt - denn dafür hatte man sich knapp drei Jahre Zeit gelassen.
Von einer Enttäuschung darf man im Falle von "Pure Heavy" nicht sprechen - auch wenn der Albumtitel glatt gelogen ist. Denn AUDREY HORNE sind ganz bestimmt nicht härter im Vergleich zum Vorgänger geworden, sondern toben sich sogar noch stärker im Classic Rock aus. Dabei ist nur leider das Songmaterial nicht ganz so überragend ausgefallen, wie auf "Youngblood". Wobei "nicht ganz so überragend" in diesem Zusammenhang immer noch verdammt stark heißt. Klar, an den spielerischen Fähigkeiten der Saitenfraktion besteht kein Zweifel und auch auf "Pure Heavy" wird man von den Riffs, Leads, Licks und Soli verwöhnt. Fronter Toschie singt immer noch großartig und hat immer wieder starke Gesangslinien auf Lager - im Grunde genommen also alles wie immer.
Im flotten Opener "Wolf In My Heart" grüßen die 70er, die eingängige Nummer hat gitarrentechnisch einiges zu bieten. Simpler und straighter geht es bei "Holy Roller" zu, das trockene Riff, das coole Solo und die eingestreuten Achterbahn-Sounds (kann auch ein Zug sein) machen Laune. Warum AUDREY HORNE die knietiefe Thin Lizzy-Verbeugung "Out Of The City" als Single ausgewählt haben, ist ein bisschen verwunderlich, denn die am wenigsten harte Nummer ist weder für den Albumtitel noch für das Album an sich wirklich repräsentativ. "Volcano Girl" ist ziemlich abwechslungsreich arrangiert, während der gute-Laune-Rocker "Tales From The Crypt" ein bisschen gewöhnungsbedürftig bleibt. Den Abschluss der guten, aber nicht überragenden A-Seite (wenn man sich das Vinyl zulegt) macht die 90-Sekunden-Nummer "Diamond". Das Intermezzo beginnt verheißungsvoll balladesk mit melancholischer Note - sehr schade, dass man daraus keinen vollwertigen Song gemacht hat.
Zugegeben, bislang könnte man schon von einer klitzekleinen Enttäuschung sprechen - aber dann drehen AUDREY HORNE auf. Das flotte "Into The Wild" ist ein Ohrwurm mit kernigem Riff, "Gravity" eine wiederum leicht melancholische Rocknummer. Mit "High And Dry" und seiner starken Gitarrenarbeit setzt es den nächsten Hit und auch "Waiting For The Night" bekommt man so schnell nicht aus den Gehörgängen gefegt. "Boy Wonder" setzt den Schlusspunkt und auch hier setzt man auf weniger fröhliche Stimmung, was dem Album gut tut.
FAZIT: "Pure Heavy" ist wieder eine tolle Platte geworden, auch wenn man sich nicht ganz dem Eindruck erwehren kann, dass sie vielleicht eine bisschen zu schnell nach "Youngblood" kommt. Und hier bin ich mir ziemlich sicher, dass ich auch in einigen Monaten nicht mehr, als die knappen zwölf Punkte geben würde.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.09.2014
Espen Lien
Toschie
Thomas Tofthagen, Ice Dale
Kjetil Greve
Napalm/Universal
42:18
26.09.2014