Diese Nimweger spielen psychedelisch angehauchten Rock aus der Garage in einem warm bauchigen Klangbild, das QUEENS OF THE STONE AGE und THE WHITE STRIPES für den Mainstream salonfähig gemacht haben, alldieweil sich AUTOMATIC SAM selbst weniger Freunde in der hippen Indie-Szene machen dürften.
So eingängig "Sonic Whip" insgesamt auch ist, so unberechenbar bleibt die Band nämlich ... und dabei ausgesprochen musikalisch, denn wie sich Holkenborg und Slings ihre Leads beziehungsweise Riffs zuspielen, ist mitunter gehobenes Tennis. Das Resultat sind nicht einmal forsche Energiebündel wie "Set It Right", dessen Hauptmotiv nicht aus dem Kopf geht (gleichwohl ohne dass man es in seiner Hibbeligkeit nachsingen könnte) und andererseits Einladungen zum Weltraumschweben ("End Of The World ", Titelstück), die HAWKWINDs hypnotische Redundanz mit viel Abwechslung und Dynamik auf spielerischer wie produktionstechnischer Ebene aufweichen.
Mit den anderthalb Minuten von "See You" verzeichnen AUTOMATIC SAM einen richtigen Hit, bevor sie MC5 mit "Summer Is Gone" die Ehre erweisen und "Ghost Town" als Prog-Miniatur inszenieren (das achtminütige "Rewind" ist dann ein richtiges Epos, übrigens mit herausragender Rhythmusarbeit, die auf eine nicht ausschließliche Sozialisierung mit Szene-Mucke ähnlicher Machart hindeutet) - Akustikgitarre und zerfahrene Songstruktur inklusive. "No Exits" dringt weiter auf künstlerisch ambitionierte Ebenen oder besser gesagt in den Urwald vor, wo Malaria sowie trommelnde Schamanen umgehen ... und "Without A Sound" ist dann doch der zarte Schmeichler, den sich auch Intro-Leser schönhören dürfen. Doch Vorsicht: Diese Saubande kratzt zu widerborstig, als dass sie sich durchs nächste Kommerz-Dorf scheuchen ließe ...
FAZIT: AUTOMATIC SAM bieten wunderbar bunten, nie unangenehm grellen Rock nach altbewährter Machart, dem man ob seiner zeitgenössischen qualtiät kein Vintage-Etikett anheften möchte. Wo die Neo-Psych-Szene eigentlich gar nicht Neo ist, sondern ein Musik gewordener Blüten-Drucker, ist "Sonic Whip" echtes Hartgeld und tatsächlich Peitsche statt Hipster-Zuckerbrot.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.01.2014
Erik Harbers
Erik Harbers, Pieter Holkenborg, Rense Slings
Pieter Holkenborg, Rense Slings
Jim Geurts
Quadrofoon
36:21
16.08.2013