„Are You Kidding Me? No“ ist gleichzeitig einer der dämlichsten wie genialsten Albumtitel aller Zeiten. Denn egal, wie unpassend dieser Titel für ein Album zu sein scheint: Die italienischen Psycho-Metaller von DESTRAGE lassen nichts unversucht, dass man nach Genuss ihres dritten Albums sich unweigerlich fragt: Wollen die mich eigentlich verarschen?
Die Musik in eine Schublade einzusortieren ist ein Ding der Unmöglichkeit. „Are You Kidding Me? No“ klingt wie ein musikalisches ADHS-Kind von MESHUGGAH und SYSTEM OF A DOWN, bei der allerdings nicht ganz geklärt wurde, ob nicht doch auch DREAM THEATER, DRAGONFORCE oder Jazzmusik für die Vaterschaft in Frage kommen. Das klingt ohne jede Einschränkung hochspannend, bietet extrem zappelige und abwechslungsreiche Musik, die vom derben Death-Metal-Growl über Klargesang, XXL-komplizierten Arrangements bis hin zu melodischen Parts ein unglaublich breites Spektrum abdeckt. Dass es die Italiener dabei an der einen oder anderen Stelle ein wenig (hüstel) übertreiben, lässt sich dabei nicht von der Hand weisen.
Angesprochen fühlen dürfen sich dabei insbesondere Anhänger des „modernen“ Progmetals, die von ihrer Musik mehr Härte, mehr Intensität, mehr Growls, modernere Sounds oder noch unmenschlicher erscheinende Drumfiguren erwarten, als dies von den etablierten Acts der Sorte DREAM THEATER geliefert wird. Wer allerdings beim Blick über den metallischen Tellerrand schnell das Gefühl hat, von der Sonne geblendet zu werden, wer beim Musikhören lieber Scheuklappen statt Kopfhörer trägt, der wird vermutlich mit diesem ungewöhnlichen, ja extremen Stück Musik seine liebe Mühe haben.
FAZIT: Schneller, höher, weiter, mehr: „Are You Kidding Me? No“ bietet Hektik und Nervosität im Überfluss, deckt dabei zahlreiche Genres ab – und schießt an der einen oder anderen Stelle übers Ziel hinaus. Beeindruckend ist aber es ohne jegliche Einschränkung. Was insbesondere für den Titeltrack gilt, der zusätzlich zum „normalen“ DESTRAGE-Wahnsinn noch Mariachi-Trompeten und Westernflair zum Bandsound hinzufügt.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.02.2014
Gabriel Pignata
Paolo Colavolpe
Matteo Di Gioia, Ralph Salati
Federico Paulovich
Metal Blade
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28.02.2014