Das viele Köche den Brei nicht unbedingt verderben müssen, aber trotzdem die Qualität der Kost beeinträchtigen, zeigt das sechste Album des indonesischen Gitarristen Dewa Budjana: Die gewöhnlichsten Tracks der Scheibe sind ausgerechnet jene, bei denen er reputierliche Gäste begrüßt.
Das wäre zum einen die Fahrstuhl-Muzak von "Fifty" mit Holdsworths Tastenmann Gary Husband und zum anderen das plätschernde Titelstück mit Sechssaiten-Kollege Michael Landau. Beide Songs fallen gegenüber dem Rest deutlich ab. Die besonders melodischen Stücke "Duaji & Guruji" und "Lamboya" (monströses Schlagzeugspiel auch) verfügen hingegen über die Griffigkeit mancher Satriani-Schoten, sind aber stilistisch ganz anders gelagert. Die Herkunft des Gitarristen bricht sich nicht zwanghaft in einem künstlichen World-Music-Charakter Bahn, ist aber definitv hörbar, vor allem im zentralen Epos "Kalingga", das mit sudanesischer Harfe und Geige sowie sporadischem Gesang angereichert wurde - Ethno Jazz in Reinkultur und im besten Sinn.
Das Finale "Dalem Waturenggong" bringt Heiterkeit und finstere Töne gleichermaßen zu Gehör, und das entspannte "Capistrano Road" (stimmungsmäßig ähnlich: "Campuhan Hill") rückt den Fretless Bass in den Fokus, wo ansonsten der Protagonist höchstselbst im Schlaglicht steht - liegt in der Natur der Sache und ist auch gut so, denn ...
FAZIT: ... Dewa Budjana zählt zu den ausdrucksvollsten Vertretern seiner Zunft in Indonesien und ist wahrlich nicht nur eine Empfehlung für Freunde des Exotischen wert. Der internationale Ansatz in puncto Besetzung spiegelt sich in zuweilen etwas beliebigem Fusion-Stoff wider, doch die eigene Kennung überwiegt im Rahmen weitgehend malerischer Kompositionen mit erstaunlich geringem Leerlauf.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.07.2014
Jimmy Johnson
Mang Ayi
Dewa Budjana, Michael Landau
Gary Husband
Vinnie Colaiuta
Kang Pupung (Geige, Harfe)
Freiland / MoonJune / Cargo
55:42
11.07.2014