Stilistische Grenzen und Barrieren waren für die APOKALYPTISCHEN REITER schon lange Jahre schwer zu akzeptieren, doch mit „Tief. Tiefer“ versperrt sich das Quintett nun konsequent wie nie dem Einordnen in eine bestimmte Schublade. Wer als Fan der Band mit der musikalischen Entwicklung Schritt halten kann, der wird angesichts deutlich stärker eingesetzter elektronischen Spielereien und popkomptiblen Arrangements vermutlich sagen: Eine logische Entwicklung. Wer allerdings mit „Tief. Tiefer“ ein wenig überfordert ist – wie, um das schon mal vorwegzunehmen, der Rezensent –, der wird sich wohl auf eine Formulierung wie „übers Ziel hinausgeschossen“ einlassen können.
Immerhin quantitativ kann man den Reitern nichts vorwerfen: CD1 („Tief“) enthält elf neue Songs, eingespielt in voller Mannschaftsstärke, CD2 („Tiefer“) akustische Neuaufnahmen bekannter Bandhits sowie zwei neue Songs. Beim Hören des ersten Teils des Doppelalbums werden Traditionalisten ganz lange Gesichter machen angesichts teilweise seichter Kompositionen, arg klangfremder Arrangements und nur weniger Widerhaken, die die Band früher einmal auszeichneten. Viel mehr als der hymnische Opener „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, die interessante Ballade „Ein leichtes Mädchen“, das abwechslungsreiche „2 Teufel“ und das am ehesten noch klassisch tönende „Die Wahrheit“ will auch nach zahlreichen Annäherungsversuchen nicht hängen bleiben. Stattdessen nerven elektronische Sequenzen, U2-Querverweise und dahindümpelnde „willst du mich nicht mal im Radio hören?“-Passagen den Scheuklappenhörer. Musikalische Bissigkeit darf man natürlich auch vom akustischen „Tiefer“ nicht erwarten, doch machen die entkernten Versionen bekannter Reiter-Songs wie „Friede Sei Mit Dir“ durchaus Freude. Dennoch: Der schale Nachgeschmack der ersten CD überwiegt leider deutlich.
FAZIT: Barrierefreie Musik – immer schon ein Traum der APOKALYPTISCHEN REITER. Wer für neue Einflüsse offen ist, wer mit Popmusik und Elektronika etwas anfangen kann, wer es hasst, dass seine Lieblingsband auf einem neuen Album annähernd so klingt wie auf dem Vorgänger, der wird „Tief. Tiefer“ wohl schnell in sein Herz schließen. Wessen musikalischer Horizont allerdings deutlich eher endet, der konstatiert, dass die Band übers Ziel hinausgeschossen ist und vergibt am Ende enttäuschte sechs Punkte.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.05.2014
Volk-Man
Fuchs
Ady
Dr. Pest
Sir G.
Nuclear Blast
75:25
30.05.2014