H-BLOCKX haben es vorgemacht, GUANO APES gingen nach der Rückkehr vom Rückzug eher unter, und nun versuchen auch DIE HAPPY nach Crowdfunding, mit einer neuen Scheibe weiterzuleben, wo man ihnen nach dem Sterben der typischen Viva-Bands ebenfalls den Tod vorhersagte ... und sie tun es in der Tat.
Dabei haben sie mit einem weiteren Relikt zusammengearbeitet, nämlich Co-Produzent Henning Rümenapp, dem Klampfer der genannten Äffchen, der ihnen einen hübsch organischen Sound gezimmert hat. Ehrlich gesagt aber stünden die Kompositionen auch mit einer anderen Klangrichtung nicht schlechter da: Der achtelnde Einstieg "Miracle Rising" und das ähnlich dahinzuckelnde "Run Away" (verhältnismäßiger Schwachpunkt) sind die obligatorischen Tracks zur Eingewöhnung, während DIE HAPPY zwar auch an anderer Stelle gerne aufs alte Schema setzen - breitwändige Refrains, zarte Strophen (das betörende Titelstück, die schroffen Epen "Hypnotized" und "Unlimited Love") - aber auch mehr als das zu Gehör bringen.
Beziehungs- und Befindlichkeitsstücke ("I Could Die Happy"), zeitlos produziert und hörbar von einer jahrelang stabilen Besetzung profitierend ist Martas Stimme auch auf Scheibe acht nach wie vor Gold wert, vor allem während der klassischen Klavierballade "Hang On", dem ebenfalls melancholischen "Time Is A Healer" und den etwas zu sehr auf Nummer sicher gehenden Tracks zum Ende hin generell, denn was eine schlichte, gute Hookline hinterm Mikro ausmacht, zeigt die Chanteuse in den Durchschnittskompositionen "Too Fast", "Surrender" und "Empty", einem leicht ziellosen Schlusssatz unter eine ansonsten sehr stimmiges Album mit nachhaltigem Charakter.
FAZIT: Vielleicht hätten es zwei, drei Songs weniger sein können, aber trotzdem verspricht der Titel "Everlove" nicht zu viel - DIE HAPPY ist ein erfrischend langlebiges Radiorock-und-nichts-weiter-Album aus den Ärmeln geflutscht, und das ist vom Rezensenten genau so gemeint: unaffektiert, locker und alterslos, passend zur hoffentlich ebenfalls erwachsen gewordenen Klientel der Ulmer.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.02.2014
Ralph Rieker
Marta Jandová
Thorsten Mewes
Jürgen Stiehle
SPV
49:42
28.02.2014