Manchmal dauert es etwas länger, bis ein Review erscheint, ganz einfach, weil der Rezensent ein Album vorliegen hat, dass mal nicht eben so zu beschreiben ist. Das aktuelle DORNENREICH-Album „Freiheit“ ist so ein klassischer Fall.
Das Album „Her von welken Nächten“ ist ein kleiner Klassiker im Black-Metal-Bereich, in den das Trio aus Tirol die folgenden 13 Jahre immer mal wieder abtaucht, um darauf akustisch und leise wieder aufzutauchen. Und so ist jedes Album für den Fan harter Klänge erst einmal ein Überraschungsei, bei dem des öfteren die Schokolade fehlt. „Freiheit“ kehrt nach dem Stromgitarrenausflug „Flammentriebe“ recht konsequent wieder in die einsamen Wälder zurück, wo man noch in seiner Holzhütte abends die Gitarre und Violine auspackt und gemeinsam musiziert.
Es geht also wieder sehr sehr ruhig zu im DORNENREICH, aber trotz geringer Schwermetall-Kompatibilität ist man natürlich weiterhin einmalig. Die melancholische Melodieführung sollte sattsam bekannt sein, frisst sich aber nur langsam ins Hirn und wird durch die akustischen Instrumente noch intimer. Was die Band schon immer ausmachte, ist der Gesang, der nach wie vor keiner ist, sondern gesprochenes und gehauchtes Wort. Die deutschen Texte sind sehr persönlich und verschmelzen mit der Musik zu einer Einheit, ist „Freiheit“ vertonte Lyrik oder von Lyrik begleitete Musik? DORNENREICH überzeugen durch ihre Ruhe und Kraft, da ist der plötzliche harsche Ausbruch in „Das Licht vertraut der Nacht“ beinahe überflüssig, zumindest aber irritierend.
Bleibt ein spannendes Album zu vermelden, wenn man keine Rückkehr zum Black Metal erwartet, aber ausreichend Ruhe hat, sich mit der Musik zu beschäftigen und ihr Zeit gibt, um ihre Wirkung zu entfalten. Aber das ist in unserer schnelllebigen Zeit ja selten geworden.
FAZIT: „Freiheit“ ist im wahrsten Sinne des Wortes schwer in Worte zu fassen. Wer das Schaffen DORNENREICHs bisher mochte, wird nicht enttäuscht, weil DORNENREICH eben DORNENREICH und reich an Dornen sind, aber irgendwie ist „Freiheit“ auch Stagnation auf hohem Niveau.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.06.2014
Eviga
Eviga
Eviga
Gilván
Violine - Inve
Prophecy Productions
47:27
02.05.2014