Bei den Standardfloskeln im Musikbereich zählt „die Extreme weiter ausgelotet“ zu den Favoriten. Wird diese Floskel häufig irrtümlich angewendet, um dem Eindruck entgegenzutreten, man stagniere, trifft dies auf „Maximum Overload“, dem sechsten Album der Hochgeschwindigkeits-Power-Metaller von DRAGONFORCE, fraglos zu.
Mit den unglaublich ungestümen, extrem vollgepackten Doublebass-Kaskaden „The Game“ (mit Gastauftritt von TRIVIUM-Shouter Matt Heafy) und „Tomorrow’s King“ wird das gewohnt martialisch betitelte Album furios eröffnet – noch nie klang die Multikulti-Truppe SO abgefahren. Auch „Extraction Zone“ überschreitet später noch einmal diese Grenze, bietet dabei aber eine abwechslungsreiche Rhythmik. Auf der anderen Seite gibt’s aber auch Songs wie die getragenen „Three Hammers“ und „The Sun Is Dead“. Während erstgenannter Song insbesondere durch einen hymnischen Refrain auch auf jedem HAMMERFALL-Album eine sehr gute Figur machen würde, bietet „The Sun Is Dead“ einen ungewöhnlichen Songaufbau, klassisch-progressive Elemente und einen komplett jeglicher Geschwindigkeit beraubten Refrain, der sich nachhaltig im Gehirn festsetzt.
Dem gegenüber steht allerdings auch der eine oder andere Langweiler. „Symphony Of The Night“ etwa zeigt, dass der Stil der Band ohne Experimente zwangsläufig irgendwann in einer Sackgasse enden muss; und das Highspeed-Cover von „Ring Of Fire“ ist nicht nur für Anhänger von Johnny Cash nur schwer zu ertragen.
FAZIT: Höher, schneller, weiter, mehr: DRAGONFORCE reizen ihre Erfolgsformel auf „Maximum Overload“ weiter aus. Dabei zeigt die Band, bei der Sänger Marc Hudson erneut keinerlei Anlass gibt, seinen Vorgänger ZP Theart zu vermissen, dass sie nicht nur immer verrücktere Arrangements und noch schnellere Songs auf die Beine stellen, sondern auch im gemäßigten Tempo Ausrufezeichen setzen kann.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.08.2014
Frédéric Leclercq
Marc Hudson
Hermann Li, Sam Totman
Vadim Pruzhanov
Gee Anzalone
Earmusic/Edel
49:40
15.08.2014