Aus vier mach drei, und schon sind DTES irgendwelchen Genres oder vermeintlichen Tendenzen innerhalb derer (Alternative Prog) endgültig endgütlig enthoben. "Heretics" zeigt eine ganzheitliche Rockband ohne Szene-Sippenhaft, die sich selten mit einer anderen vergleichen lassen muss, und ist ein durchweg betörendes Album, das nur hier und dort gerafft werden könnte, ohne ein Haar seiner Intensität zu verlieren.
"I Know What You Are" ist beispielsweise so ein Song, der abgesehen von Matt Pages gelungenen Versuchen, Jeff Buckley gesanglich nachzueifern, zu langsam auf den Punkt kommt. Gleichzeitig muten DTES "kommerzieller" in dem Sinn an, als sie inmitten ihrer oft ausladenden Tracks immer wieder Haken hängenlassen, an welchen man sich festhalten kann. Unter Ausnahme des manchmal noch für sie typisch perkussiven Schlagzeugspiels geschieht auf "Heretics" wenig in puncto zwanghafter Virtuosität, aber umso besser.
Das Stimmungsbarometer verzeichnet deshalb heftigere Ausschläge, sei es mit dem gefühlvoll hämmernden "The Name You Fear", beim kraftvoll wehmütigen "Utopic" oder dem positiv stimmenden "Fist To Face" (hübscher Widerspruch zum Titel). Das gelöste "To Love Is To Leave" zwischen Songwriter-Ballade und PINK-FLOYD-Shoegaze ist aber genauso wenig wie das folkloristische "Lost Our Way" (kommt nicht über drei Minuten) ein offensichtlicher Reißer. "Heretics möchte erarbeitet werden, was im Rahmen von fünf Kapiteln gar nicht so schwierig wird: Das düster psychedelische Titelstück etwa, eine Ouvertüre mit triumphalem Solo, hat vieles gemein mit dem ähnlich ausgelegten "It Must Taste Good", dem bleiernen Finales "Ashes Fall" und dem entrückte Artrocker "Elizabeth".
Am zuversichtlich stimmenden Ende hat man dann auch die Ahnung, sich zu Recht auf diese Klangfülle eingelassen zu haben - gute Scheibe, wenn auch kein Ausrufezeichen.
FAZIT: DTES schwimmen sich immer weiter frei vom Prog im herkömmlichen Sinn und haben sich eine eigene Nische eingerichtet, die Freunden zeitgenössischer, epischer Gitarrenmusik mit großen Emotionen hinterm Mikrofon ein, zwei Hördurchläufe wert sein sollte. Danach mag man "Heretics" nicht mehr hergeben. Gratis bei Bandcamp, Leute!
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.02.2014
Chris Tackett
Matt Page
Matt Page
Joey Waters
Just For Kicks
73:14
31.01.2014