Wenn deutschbetitelte DRUCKFARBEN „Made In Canada“ statt Farben Töne erzeugen, dann sind diese nicht immer so farbenfroh, wie es uns der Bandname verspricht. Mit einem schlichten „YES - We Can!“ wäre es bei „Second Sound“ im Grunde auch getan. Doch welch Glück, dass da ein paar wirklich beeindruckende musikalische Beigaben auf diesem Album zu entdecken sind.
Wer sich auf DRUCKFARBEN einlässt, der darf sich in froher Erwartung an einer 70er-Jahre YES-Farbkopie satthören und dabei auch gleich noch eine gehörige „Drama“-Schattierung genießen.
Doch zum Glück gibt es da auch jemanden, der die „Second Sound“-Farben noch deutlich mit seiner Violine + Mandoline, Banjo und Dobro bereichert, und so der Musik der Kanadier YES-untypische Klangelemente einhaucht. Ein großes Glück für das Album, welches sonst mit einem zu starken Klon-Beigeschmäckle durchgegangen wäre.
ED BERNARD spielt seine Violine in der besten MAHAVISHNU- und FLOCK-Tradition solcher Größen wie JEAN LUC PONTY oder JERRY GOODMAN. So verleiht er besonders dem Beginn des abschließenden Longtracks eine sehr ungewöhnliche Note. Auch gewisse jazzige Momente, die tatsächlich etwas vom MAHAVISHNU ORCHESTRA in sich tragen, bereichern „Second Sound“ ungemein.
Leider steht der ansprechenden Musik mal wieder eine höchstens mittelmäßige (Eigen-)Produktion und Aufnahmequalität gegenüber, die Freunde von hochwertigen Kopfhörern nicht zur Freude gereichen, wobei besonders ärgerlich die wummernden, schnarrenden Bässe und das blechern klingende Schlagzeug sind. Allerdings fallen diese Makel so offensichtlich wirklich erst unter Kopfhörern auf.
Am Ende ist der „Second Sound“ von DRUCKFARBEN wirklich nur der zweite Musikabwasch, der im Besonderen bei YES, aber auch bei RUSH oder etwas KANSAS und in den besten Momenten Violinen-MAHAVISHNU das Spülwasser warm hält. Musikalisch beeindruckend, klangtechnisch enttäuschend!
FAZIT: Wenn sich eine kanadische Band ohne größeren Grund nach deutscher Druckertinte bezeichnet, dann zwingt sich natürlich sofort der Verdacht nach irgendwelchen Kopien auf. DRUCKFARBEN gelingt es nicht ganz, diesen Verdacht zu entkräften, wobei sie andererseits mit einer Profession zur Sache gehen, die den nachgeeiferten Größen in nichts (außer der Produktion) nachsteht. Was für die ZAPPAesken Amis FROGG CAFÉ ist, trägt in Kanada einen ähnlich verrückten Namen, der dem guten Deutschen YESianer sofort verständlich sein dürfte.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.06.2014
Peter Murray
Phil Naro, Ed Bernard, Peter Murray
Phil Naro, Ed Bernard
William Hare
Troy Feener
Ed Bernard (Violinen, Violas, Mandolinen, Banjos, Dobro, Klanggläser)
Eigenvertrieb / Just For Kicks
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25.04.2014