Auf dem Roadburn im letzten Jahr spielte Duncan Evans in einer Kneipe vor zwei Hand voll Zuhörern. Und das machte er überaus sympathisch und zurückhaltend, beinahe schüchtern. Ein Mann spielte seine Gitarre und sang seine ruhigen Songs, dazu eine weibliche Zweitstimme, mehr nicht.
Live konnte man sich das gut geben, aber würde es für ein ganzes Album reichen? „Jein“ könnte man antworten, denn „Lodestone“ enthält eine Hälfte guter Songs, aber auch eine zweite, die etwas langatmig geworden sind. Unbestreitbar ist Duncan Evans ein passabler Gitarrist, das stellt er regelmäßig mit A FOREST OF STARS unter Beweis. Dazu hat er eine angenehme Stimme, hell, etwas nasal und mit sehr britischer Akzentuierung.
Mit der Vorab-7“ „Bird Of Prey“ legte Evans nun die Messlatte recht hoch, da der auch hier enthaltene Song sofort ins Ohr geht und da auch längere Zeit zu bleiben vermag. Das gelingt Duncan Evans auf „Lodestone“ nicht durchgehend, nach den ersten vier gefühlvollen und fesselnden Liedern kommen Songs, die alle - rein zeitlich betrachtet - recht lang sind. Sie beweisen zwar, dass Evans auch auf der Akustischen eine gute Figur abgibt, Ecken und Kanten hat, die er nicht glattbügelt, sondern ungefiltert stehen lässt. Aber mit zunehmender Länge haben die Songs auch Längen, in denen die Aufmerksamkeit des Hörers aktiv gefordert wird. Da wäre etwas mehr Kürze in der Tat mal die Würze gewesen, denn ist man nicht bereit, konzentriert zuzuhören, gehen eine Menge Details und Spannung verloren.
FAZIT: Duncan Evans liefert mit „Lodestone“ sein Solo-Debüt als Songwriter ab. Die rein akustisch vorgetragenen düster-melancholischen Songs haben viele gefangennehmende Momente, einige sind aber schlicht zu lang geraten. Trotzdem eine schöne Platte für ruhige Minuten.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.01.2014
Duncan Evans
Duncan Evans
Auerbach / Prophecy Productions
44:28
15.11.2013