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The Henry Girls: Louder Than Words

Stil: Folk, Pop und Americana treffen auf „göttliche“ weibliche Satzgesänge

Cover: The Henry Girls: Louder Than Words

Da sind sie wieder – unsere HENRY GIRLS aus Irland mit ihrem zweiten Album, das den verwirrenden Titel „Louder Than Words“ trägt. Verwirrend darum, weil nach ihrem Debüt „December Moon“, das die Ohren des Hörers mit größtenteils sanften, herbstlich erscheinenden Klängen umschmeichelte, das Adjektiv „laut“ für ein Album der drei irischen Schwestern sehr unpassend erscheint. Damals kreuzten sich Irish Folk mit viel Americana sowie etwas Country und sogar im BBC fanden sie besondere Beachtung, indem die musikalischen Geschwister das Prädikat: „Spektakulär, mit den besten Gesangsharmonien aus Donegal seit CLANNAD“, erhielten.

Doch auch „Louder Than Words“ ist nicht etwa „laut“, sondern dem Debüt in seiner melancholischen, angenehm ruhigen, aber trotzdem voller leidenschaftlicher Melodien versehenen Musik ebenbürtig. Wieder gibt es dieses spannende Gemisch aus Folk, Pop, Americana und Country zu hören, das zusätzlich mit Texten versehen ist, die kleine Alltagsgeschichten erzählen, welche uns am Ende nicht alltäglich erscheinen. Und es gibt auch so einige Überraschungen.

Bereits „James Monroe“ wartet mit der ersten überraschenden Besonderheit auf, denn die drei Schwestern erhalten „blastechnisch“ (Meine Herren, bitte jetzt nicht etwa irgendwelche unpassenden Parallelen ziehen!) intensive Unterstützung durch die BOG NECK BRASS BAND, die dem CD-Eröffnungstitel ein für die HENRY GIRLS fast ungewohnte Dynamik mit Trompete, Posaune und Saxofon verleihen. Auch der Text über den Herzensbrecher James Monroe, der die Frauen wie ein Kleidungsstück ablegt und auf nimmer Wiedersehen verschwindet, aber trotzdem immer eine Frau mit gebrochenem Herzen zurück lässt, passt ausgezeichnet.

Auch der Glauben wird oft in den Lyrics thematisiert – aber nicht so plump oder predigend oder bekehrend wie es beispielsweise ein NEAL MORSE oder eine x-beliebige Christen-Rock-Kapelle immer wieder versuchen. Es werden eher unglaubliche Geschichten erzählt, die uns vielleicht den Glauben wieder zurück geben sollen, den viele in diesen kalten Zeiten (Womit nicht nur das Wetter gemeint ist!) langsam verlieren, in denen sich beispielsweise irgendeine bischöfliche Popel-Backe einen Palast bauen lässt, in dem er dann seinen Schäfchen was über Enthaltsamkeit predigt. Oder in denen sich irgendwelche Kack-Vögel mit Sprengstoffgürtel in voll besetzte Busse oder Menschenmengen begeben, um sich in den Himmel zu bomben. Nein, da ist ein Text wie „Reason To Believe“, der über die kleinen Wunder, wie einen Hund, der vom Auto angefahren und tot erscheint, sich plötzlich wieder erhebt und verschwindet oder Mary Lou, die ihren Johnny liebt, der sie längst verlassen hat, den sie aber trotzdem nicht aufhört zu lieben und auf ihn zu warten, berichtet, schon ganz andere Kaliber. Man möchte wie die HENRY GIRLS daran glauben, selbst wenn man in seinem Herzen Atheist oder Agnostiker ist. Eine besondere „Glaubens“-Unterstützung erfährt dann dieser Song auch durch den INISHOWEN GOSPEL CHOIR, der nicht nur „Reason To Believe“, sondern auch „Home“ und „Here Beside Me“ sogar eine gewisse sakrale Ausstrahlung verleiht. So eine Art „Kirche zum Anfassen – nein quatsch – Kirche zum Anhören", meinte ich natürlich.

„So Long But Not Goodbye“ versetzt uns dann in eine Western-Bar, in dem weibliche Satzgesänge, begleitet von Banjo und Fiddle, uns an die gute alte Zeit erinnern lassen, in der wir noch leidenschaftlich solchen Western-Serien wie „Rauchende Colts“, „Bonanza“ oder den „Waltons“ entgegenfieberten. Lang, lang ist das her. Doch nach solcher Musik werden sie wieder geweckt, die Erinnerungen, die uns im Zeitalter hoch technologiebasierter „Trick“-Filme, abhanden gekommen schienen. Fließend setzen Walzertakte und Harfen dieses Gefühl in „It's Not Easy“ fort.

FAZIT: Auch wenn das zweite Album der HENRY GIRLS trotz des einfallsreicheren Covers nicht ganz an deren Debüt „December Moon“ herankommt, ist es trotzdem ein echt gutes geworden, das die irische Folk- und Pop-Seele zart umschmeichelt, während uns die gelungene Weltverbesserer-Lyrik über die Dinge des Lebens nachdenken lässt, die zu unserem Entsetzen sogar in den Führungsetagen des ADAC mit Lug und Trug und Machtgier abhanden gekommen sind.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.01.2014

Tracklist

  1. James Monroe
  2. The Weather
  3. Maybe
  4. No Matter What You Say
  5. Reason To Believe
  6. Reason To Blieve
  7. The Light In The Window
  8. Home
  9. So Long But Not Goodbye
  10. It's Not Easy
  11. Here Beside Me

Besetzung

  • Bass

    Nick Scott

  • Gesang

    Karen McLaughlin, Joleen McLaughlin, Lorna McLaughlin

  • Gitarre

    Ted Ponsonby, Denise Boyle, Karen McLaughleen

  • Keys

    Calum Malcolm, Karen McLaughlin

  • Schlagzeug

    Liam Bradley, Laurence Doherty

  • Sonstiges

    Karen McLaughlin, Ciaran O'Maonaigh, Aidan O'Donnell, Damian McGeehan, Denis Boyle (alle Fiddle), Joleen McLaughlin (Harfe), Lorna McLaughlin (Akkordeon), The Inishowen Gospel Choir, The Bog Neck Brass Band

Sonstiges

  • Label

    Beste! Unterhaltung / Broken Silence

  • Spieldauer

    39:01

  • Erscheinungsdatum

    31.01.2014

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