Mit dem Produzenten Dave Aron, der mit vielen Stilen zu tun hat, aber nicht unbedingt typischem Jam-Stoff wie dem von MOE., hat die Gruppe um Vordenker Al Schnier einen kleinen Coup gelandet, denn die Verschränkung von akustischen und saftig zerrenden Elementen gelang der Combo vielleicht noch nie so gut wie auf "No Guts, No Glory".
Sehr präsenter Gesang - die Stimme hält das Genre-Hopping zusammen - bei sehr transparentem Sound, der für allerlei kleine Details im besten Licht sorgt, erweckt den Eindruck sehr liedhafter Stücke, doch MOE wären nicht sie selbst, würden sie gängige Schemata nicht brechen, sei es im Stilistischen oder rein strukturell. Mitunter meint man, dezente Surf- und Latin-Elemente zu erkennen ("The Pine And The Apple Tree"), dann Proto-DEEP-PURPLE während "White Lightning Turpentine", und die Großartigkeit "Same Old Story", die den Titel des Albums aufgreift, verrührt auf beinahe unfassbar fließende Weise Klangfarben, die Schubladen höchst entbehrlich machen.
Dies erfolgt nämlich nicht krampfhaft und durch leicht erkennbare Grenzüberschreitung, sondern mit Respekt vor allem, was MOE. - jawohl - recht ist. Vor diesem Hintergrund wirkt das relativ konventionelle "Blond Hair And Blue Eyes" selbst mit Bläsern blass, aber das ist Jammern auf hohen ... Nein, das Phrasenschwein geht heute leer aus.
Um sich einen raschen Eindruck zu verschaffen, sollte man erstens den poppigen Klingklang "Little Miss Cup Half Empty" hören, dann das zehnminütige Instrumental "Silver Sun", dessen Ende wie ein Mischung aus LED ZEPPELIN und frühsten WISHBONE ASH klingt, falls das für irgendjemanden Sinn ergibt, und zuletzt den ziemlich kompakten Zweier aus "This I Know", schwebend mit Flanger-Gitarren, sowie dem verboten gut groovenden "Annihilation Blues".
FAZIT: Unberechenbar und leicht zu goutieren, herzlich und trotzdem nicht scheißfreundlich, proggy und unerhört locker aufspielend - MOE. lehnen sich mit "No Guts, No Glory" weit aus dem Fenster und setzen zum Höhenflug an, statt in die Tiefe zu stürzen: so gute Songs, dass der Begriff "Jam Band" ad absurdum geführt wird.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.07.2014
Rob Derhak
Al Schnier, Chuck Garvey, Rob Derhak
Al Schnier, Chuck Garvey
Jim Loughlin
Vinnie Amico
Sugar Hill
60:44
27.05.2014