Angesichts des gegenwärtigen Klimas im (Prog-)Rock-Bereich müssten TOS offene Türen mit ihrem schwelgerischen Alternative (im weitesten Sinn) einrennen. Die Süddeutschen haben eine ganzheitliche Scheibe epischen Ausmaßes eingespielt, der es an großen Gefühlen und vor allem aussagekräftigen Songs nicht mangelt.
"Home" darf sowohl bei geschmäcklerischen Neo-Kunstrockern als auch im Feuilleton der Massenmedien rezipiert werden.
Letztere berichten immerhin auch über die Jammerlappen COLDPLAY (der Vergleich wurde gezogen, aber TOS klagen nicht, sondern lassen es krachen) oder das seit Jahren musikalisch irrelevante Gutmenschentum von U2 (die klingen hier vor allem bei "Mission" an), und auf "Home" gibt es viele triftige Gründe dafür, seine Macher ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu rücken. Die Band kann radio-poppig ("Stop Time"), ohne trivial anzumuten - nicht zuletzt dank Sehnsuchtsstimme Christian Brauchle - und zimmert gleichermaßen anspruchsvolle Miniaturen wie das laut-leiselnde "Worlds Collide", alldieweil die toll aufspielende Rhythmusgruppe (Zerrbass im Speziellen) das sofort wiedererkennbare Grundgerüst bildet.
Dann klingen neuere MARILLION an, etwa in "Calling", "Here It Is" oder "Alley", und wenn man das Finale "Free World" erreicht hat, ist auch der eine oder andere Post-Rock-Moment (im Sinne von: Klangwall hochziehen und einbrechen lassen) ins Land gezogen. "Home" ist ein - man darf es so sagen - aufrichtig schönes Album geworden, das ein breites Publikum verdient.
FAZIT: TOS haben das Potenzial zu einer international großen Band im Spannungsfeld zwischen New Artrock und allgemeingültiger Populärmusik, wie auch immer man diese begreifen mag - herzliche Melodien, zudringlicher Gesang, inhaltsschwere Texte und dennoch genügend Vagheit, um zu träumen.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.09.2014
Martin Wiedergrün
Christian Brauchle
Johannes Eisenlauer
Julian Seßler
Jazzhaus / In-Akustik
54:32
26.09.2014