Die Chart- und Award-trächtigen zeigen sich auf ihrem aktuellen Album rundum erneuert (Label, luftige Produktion), während ihre Musik den eingeschlagenen Weg weiterverfolgt: massentauglicher Pop Rock, den Freunde von MAROON 5 bis ATHLETE nicht verachten dürften.
Was an "Boy Cried Wolf" besticht, sind die ausgefuchsten Arrangements und Kopfhörer zur Pflicht auferlegenden Details im Rahmen der klanglichen Inszenierung: ineinander übergreifende Leads, dynamisches An- und Abschwellen von teils synthetischen ("Empty Restaurant"), perfekt in das organische Gesamtbild eingebundenen Sounderzeugern. Das Songwriting bleibt dabei mitunter hinter den Erwartungen zurück, denn manchmal fehlt abseits des Schönklangs die zündende Idee, sodass vieles so erscheint, als sei es einzig aufgrund des bei der Umsetzung vollführten Produzenten-Kniffs vorhanden.
Darüber hinaus gefällt die leutselige Ballade "Fall Like Rain" besonders gut, ferner das zuletzt aufbrausende "The Gloves Are Off" sowie der neunminütige Abschluss " Just Do", einer regelrechten Mini-Prog-Suites mit unterschiedlichen Stimmungen. Kunstrock-Hörer sollten die Scheibe allein deshalb anchecken, die Indie-Basis dürfte Schwierigkeiten mit dem Mangel an offensichtlichen Hits haben.
FAZIT: THE FEELING zeigen sich auf ihrem vierten Album naheliegenderweise abgeklärt, gehen aber nicht auf Nummer sicher. Dabei verrennen sie sich mitunter in Sound-Experimenten, aber "Boy Cried Wolf" klingt am Ende nicht zerfahren, sondern im eigentlich kommerziellen Rahmen, in dem sich Gruppe bewegt, etwas fehlplatziert. Bahnt sich etwa ein Kurswechsel in ambitioniertere Gefilde an?
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.02.2014
Richard Jones
Dan Gillespie Sells
Kevin Jeremiah, Dan Gillespie Sells
Ciaran Jeremiah
Paul Stewart
BMG Chrysalis
49:29
14.02.2014