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Reviews

The Great Sabatini: Dog Years

Stil: Sludge/Stoner/Punk/Country

Cover: The Great Sabatini: Dog Years

Nein, THE GREAT SABATINI spielen keinen "Magic Metal" und ihr neues Album "Dog Years" hat auch nichts von einer Hardcore-Version der Sesamstraße zu tun. Vielmehr haben die Kanadier eine Vorliebe für schräge Covermotive und einen Musikstil, der sich nicht so leicht in Schubladen stecken lässt.

Da stehen direkt zu Beginn polyrhythmische Sludge-Rocker zwischen EVERY TIME I DIE und frühen MASTODON ('The Royal We') gleichberechtigt neben einer 69-sekündigen, dreckigen Punk-Eruption ('Guest Of Honor') und einer noch punkigeren, dann aber im kantigen Midtempo angesiedelten Nummer, die so gerade die zwei-Minuten-Marke knackt ('Nursing Home'). Schon hier sollte klar sein, dass THE GREAT SABATINI ihr ganz eigenes Ding durchziehen, ohne Rücksicht auf die Hörerschaft zu nehmen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt und sich bei den ersten Songs mehrere Durchläufe gönnt, der wird Zeuge eines höchst originellen Songwritings, bei dem kaum Luft zum Atmen bleibt, weil zum Teil ein Riff nur ein einziges Mal verbraten werden, aus dem andere Bands einen ganzen Song basteln würden.

'Prewinkle War Hammer' ist zwar ähnlich kurz, beschäftigt sich jedoch etwas ausgiebiger mit seinem eigenwilligen Hauptriff und verprüht dadurch auch nach dem ersten Hören schon etwas nachhaltiger seinen Charme. Mit dem monolithischen Brecher 'Reach' versteht man bei etwas klarerem Kopf, dass die Kanadier ihren Sound auf einem Fundament aus Stoner, Sludge und Doom errichtet haben. Der hypnotische Charakter des Songs lässt einen etwas durchatmen, bevor der Wahnsinn weiter geht. 'Akela' ist ein verrücktes Zwischenspiel inklusive Country-Kante, Slide-Gitarren-Klängen und einem von gewissen Substanzen beeinflusster Gesang.

Es geht weiter mit obskuren Riffs und merkwürdigen Atmosphären, allerdings immer im positiven Sinne gemeint. Midtempo-Stoner und mächtige Sludge-Riffs dominieren die zweite Hälfte der Platte, ohne dass die Songs zu irgendeinem Zeitpunkt langweilig und/oder zu nah an anderen Bands des Genres angesiedelt wirken. THE GREAT SABATINI haben zumindest auf diesem Album ihre eigene Herangehensweise ans Songwriting gefunden und tönen deshalb zwar erst einmal anstrengend, dann aber erstaunlich erfrischend und spannend. Zum abwechslungsreichen Spannungsbogen passt dann auch der sphärische, melancholische Abschluss 'Life During Wartime'. Natürlich ist es nicht die Intention der Band, es dem Hörer leicht zu machen, dennoch sehe ich den Aufbau der Platte dann doch als kritisch an.

Zwar ist der Beginn ein herrliches Massaker, das nur die Hartgesottenen vom Weiterhören überzeugen kann, doch gehen die wirklich großartigen, musikalischen Ideen beim ersten und auch den nachfolgenden Durchgängen voll und ganz unter. Im Kontrast dazu fehlt es der zweiten Hälfte des Albums etwas an Abwechslung, sonst können aus den durchaus gutartigen Sludge-Kompositionen leicht sperrige Langweiler werden. An dieser Stelle hätte der ein oder andere Punk-Song vom Beginn sicher gut getan. Trotzdem bleibt "Dog Years" ein spannendes Album von einer Band, für die es demnächst ruhig noch ein bisschen nach oben gehen kann.

FAZIT: "Dog Years" ist auf den ersten Höreindruck eine uneinheitliche Ansammlung von harten Songs verschiedenster Genres, entfaltet aber nach mehreren Durchläufen seine ganze Wirkung. Das tolle, originelle Songwriting, das einige großartige Riffs und ein frisches Feeling zu bieten hat, wird erst durch die Scheuklappenlosigkeit von THE GREAT SABATINI ermöglicht. Der Aufbau der Platte ist aber leider nicht sehr stringent, was zunächst zu einer Überforderung durch die Fülle an Einflüssen, später zu einem zu eintönigen Sludge-Teil führt.

P.S.: Knapp 33 Minuten Spielzeit reichen völlig aus!

Punkte: 10/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.07.2014

Tracklist

  1. The Royal We
  2. Guest Of Honor
  3. Nursing Home
  4. Periwinkle War Hammer
  5. Reach
  6. Akela
  7. Munera
  8. Pitchfork Pete
  9. Ditch Diggers Unlimited
  10. Life During Wartime

Besetzung

  • Bass

    Joey Sabatini

  • Gesang

    Steve Sabatini; Sean SabatinI; Joey Sabatini; Rob Sabatini

  • Gitarre

    Sean SabatinI; Rob Sabatini

  • Schlagzeug

    Steve Sabatini

  • Sonstiges

    Piano - Sean Sabatini

Sonstiges

  • Label

    No List Records

  • Spieldauer

    32:54

  • Erscheinungsdatum

    02.06.2014

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