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The One Armed Man: Black Hills

Stil: Alternative-/Roots-Rock/Folk

Cover: The One Armed Man: Black Hills

Philip Michael Gerard aka „Mike“ ist der One Armed Man. Der frühere Partner in Crime von David Lynchs Inkarnation des Bösen, Bob, und später dessen erbittertster Gegner, ist eine der Schlüsselfiguren in Lynchs Serie „Twin Peaks“. Sein eintätowierter Wahlspruch: „Fire Walks With Me“ würde als Motto zum ersten Longplayer der französischen Band ONE ARMED MAN passen, die sich Gerard als Namensgeber ausgesucht haben und deren „Black Hills“ skizzierte Triple Peaks vor dunklem Hintergrund sind.

Französische Musiker, die sich in Twin Peaks auskennen, mit dem „Night Train“ starten und „The World Is On Fire“ besingen – traditionelle Chansons darf man wohl kaum erwarten. THE ONE ARMED MAN spielen eine irrlichternde Mixtur aus düsterem Roots-Rock, Blues, Folk und Borderline Americana. Der „Black Swan“ ist keine Ballettfigur, sondern ein Ausflug in den (Italo-)Western mit leichtem Mariachi-Touch, der Opener „Night Train“ gleich finsterer Desert-Gothic (THE CURE auf wilder Postkutschenfahrt), „My Own Gold“ und „White Tulip“ sind rhythmusbetonte Rocker, so rotzig wie gefühlvoll. DEAD CONFEDERATE und SIXTEEN HORSEPOWER kommen einem in den Sinn, und wenn irgendwo zu lesen ist, dass THE ONE ARMED Bluegrass spielen (explizit als „Lullaby“-Miniatur), ist das nicht ganz verkehrt, wenn er denn in einem verlassenen Saloon im Death Valley vorgetragen wird. „Even Say Hello“ klingt nicht nach freundlicher Begrüßung sondern wütendem Abschied.

„Black Hills“ ist kein Album, das sich in ausufernder Irritation und Verfremdung ergeht; der Rock-Anteil ist handfest und hat Power, abwechslungsreiche Instrumentierung und eigenwillige Ausbrüche sorgen für einen hohen Spannungs- und Spaßfaktor. Dazu gehört fast zwangsläufig, dass das Finale aus einer steinerweichenden Ballade besteht, die natürlich „July“ heißt, Piano und Cello zu bieten hat und gradewegs nach einem Lichtermeer aus Feuerzeugflammen schreit. Bei Weitem nicht der beste Song auf „Black Hills“ aber ein Rausschmeißer par excellence.

FAZIT: Immer für Überraschungen gut, unsere französischen Nachbarn. THE ONE ARMED MAN bewegen sich mit Geschick, Gespür und coolen Melodien durch die Tradition und Moderne der anglo-amerikanischen Rockmusik, versetzen das Ganze mit europäischem Laissez faire und Posaunen und Mundharmonikas und lassen es ordentlich krachen. „Mad Season“, was sonst. Ist in seiner Vielfalt passend arrangiert. So funktioniert das: Von hier nach dort und wieder fort an einen anderen Ort. Twin Peaks vielleicht. Oder die „Black Hills“. Hau rein, Monsieur!

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.05.2014

Tracklist

  1. Night Train
  2. Mad Season
  3. Where the River Flows
  4. Black Swan
  5. Summer Knows
  6. Back Home
  7. Lullaby
  8. Cold Rain
  9. My Own Gold
  10. White Tulip
  11. Even Say Hello
  12. The World Is On Fire
  13. July

Besetzung

  • Bass

    François-Xavier Laurent

  • Gesang

    Pierre Vasseur, Colin Schaub, Dirty Deep, Saori Jo, Julie Malette

  • Gitarre

    Pierre Vasseur, Loïc Haas, Arthur Copart

  • Keys

    Frédérique Boulanger, Vincent Bidal

  • Schlagzeug

    Colin Schaub

  • Sonstiges

    Elise Humbert (Cello), Ludovic Coudert (Trombone), Dirty Deep

Sonstiges

  • Label

    Flying Cow Productions

  • Spieldauer

    48:40

  • Erscheinungsdatum

    22.04.2014

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