Wer sich über die Authentizität dieses Duos Gewissheit verschaffen möchte, schaue sich seinen beeindruckenden Clip zu "Your Kisses Burn Like Fire" an, angesichts dessen man wetten könnte, THE PICTUREBOOKS stammten aus den USA, aber Pustekuchen: Die Wüste liegt in diesem Fall in Deutschland.
Auf ihrem dritten Album perfektionieren die Musiker ihren Stil sozusagen: Südstaaten-Stomp mit viel Geknarze, einer generell fiebrigen Stimmung ("E.L.I.Z.A.B.E.T.H.") und maximal ausgereizten Minimal-Stilmitteln. Wo andere Duos (WHITE STRIPES) eher Indie-mäßig herumbluesen, klingen THE PICTUREBOOKS oftmals bleischwer, auch wenn sie ebenfalls den Blaumann anhaben, was man am freimütigen Slide-Gebrauch erkennt ("PCH Diamond", "The Rabbit And The Wolf"). Gewollt "Ami" klingt jedoch nichts auf "Imaginary Horse" (vielsagender Titel eigentlich), im Gegenteil, denn speziell textlich erweisen sich die Songs bisweilen als ausgesprochen poetisch.
Fühlt man den Drive, zuckelt das Duo trotzdem nicht offensichtlich im Eiltempo dahin, weil es rhythmisch nie in Raserei verfällt (bestes Beispiel: "1000 Years Of Doing Nothing"), und das garantiert einen umso natürlicheren Gesamteindruck - diese Musik funktioniert auch perfekt am Lagerfeuer, was THE PICTUREBOOKS nahe an die beiden Herren von PRETTY LIGHTNING (auch verhinderte Kaktuslutscher aus Germany) rückt, falls jemand die kennt.
Melodischer als der Rest: "These Bridges I Must Burn" und die Ballade "Make It Last" zum Schluss; intim und ungemein sexy dagegen: "Fever" als leichter Höhepunkt vor dem starken Rest.
FAZIT: Field-Hollers für den weißen Mann vielleicht?
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.10.2014
Fynn Claus Grabke
Fynn Claus Grabke
Philipp Mirtschin
Noisolution / Indigo
39:10
17.10.2014