Sicher, THE TEA PARTY klingen auch nach ihrer Pause unvergleichlich, aber so richtig packen, das können sie schon seit "TRIPTych" nicht mehr, wobei ihre Quasi-Comeback keine Ausnahme bildet.
Irgendwie wildern Jeff Martin und Co. durch alle Phasen ihrer Karriere, ohne sich festlegen zu wollen, und kehren dabei vor allem leider keine herausragenden Kompositionen hervor. Das Percussion-Kunststück "Brazil" außen vorgenommen läuft vieles in ungewöhnlich poppigen Bahnen, etwa die wavige Ballade "The Maker" und das schwebende "Submission", doch beide erreichen nicht den Schmiss ähnlicher Stücke auf dem besagten Album von 1999 oder dem Referenzwerk "The Edges Of Twilight". Letzteres findet in den düsteren Tracks "The Black Sea" und "The 11th Hour" eine "Wiederauferstehung" auf niedrigerem Niveau, und ein früher LED-ZEP-Groove wie beim Nummer-sicher-Opener "The L.o.C" war seit je Bestandteil des Bandstils.
Das schleppende Doppel aus "Cypher" und "Water's On Fire" klingt eher nichtssagend, klassisch mit Orgel wie während "Black Roses" können es THE TEA PARTY hingegen noch erstaunlich frisch, ganz zu schweigen vom kraftvollen "The Cass Corridor" mit Mundharmonika. So halten sich Egal und Gut die Waage, derweil das zäh überlange Titelstück sinnbildlich für die Scheibe als ganze steht; JETHRO TULLS Ian Anderson, der hier flötet, geht als nette Fußnote in die Annalen von THE TEA PARTY ein, dieses Werkes hingegen gehört zu ihren schwächeren. Bitte fünf Minuten für unnützes Rauschen am Ende abziehen.
FAZIT: Wer THE TEA PARTY nicht kennt, mag sie heuer für eine beliebige Classic-Rock-Band mit Hang zum exotischen Osten halten, was früher einmal anders war. "The Ocean At The End" ist ein gutes Album, aber für eine Band vom Format dieser kanadischen Semi-Legende ist das zu wenig.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.09.2014
Stuart Chatwood
Jeff Martin
Jeff Martin
Stuart Chatwood
Jeff Burrows
Inside Out / EMI
56:40
19.09.2014