Seit ihrem zweiten Album“In Therapy“ sind ein Dutzend Jahre verstrichen, jetzt gerieren sich THINE zu einer veritablen Anathema-Ersatzdroge und wachsen über sich hinaus. „The Dead City Blueprint“ dürfte Freunde der Phase der Nachbarn von „Eternity“ bis zu „Judgement“ die Freudentränen in die Augen treiben, wiewohl man die Band tunlichst nicht auf diesen Vergleich herunterbrechen sollte.
Hier wird nicht kopiert, sondern zufälligerweise der gleiche Einfluss geltend gemacht und ein ähnlich emotionales wie Massengeschmäcker bedienendes Songwriting-Potenzial ausgeschöpft. Bis zum mehrstimmigen Finale 'Scars From Limbo' gehen THINE einen weiten Weg, ob aufbauend, fast kämpferisch in 'The Precipice' oder mit Gänsehaupt-Refrain versehen wie während 'Out Of Your Mind And Into The Void'. Der klagende Ton der Musik eingedenk Alan Gaunts sehnsüchtiger Stimme lässt an noch nicht desillusionierte Katatonia denken, die dann auch noch auf klassischen Rock stehen müssten, um Geniestreiche wie das harte 'Flame To The Oak zu schreiben. Die passenderweise in den Academy Studios gestemmte Produktion (Peaceville Three und so ...) setzt sowohl Soli zum den Kopf in den Nacken Legen als auch die schlichte Akustikgitarre im Titelstück treffend in Szene.
FAZIT: Dieser ständige Dualismus – Trauer und Aufbegehren, Epik und Kompaktheit, Eingängigkeit und Anspruch – macht „The Dead City Blueprint“ zum klaren Frühjahrshöhepunkt in Sachen konstruktiver, glaubhafter Melancholie.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.06.2014
Richard Swift
Alan Gaunt
Paul Groundwell, Dylan Rhodes
Dan Mullins
Peaceville / Edel
51:54
16.05.2014