„For Fans of MOUNTAIN, FREE, JIMI HENDRIX, DEEP PURPLE etc.“ schreibt das Presse-Info und hat verflucht Recht damit. Vor allem mit dem ‚etc.‘.
Die Endsechziger und beginnenden Siebziger des letzten Jahrhunderts waren musikalisch schon eine geile Zeit. Ausprobieren, improvisieren, Grenzen austesten saß locker drin, sogar mit Plattenvertrag. Die Welt schien nach Erweiterung vorhandener Sounds und dem Ausreizen der vorherrschenden Möglichkeiten zu gieren. Der Hardrock steckte noch in den Kinderschuhen, Rhythm’n’Blues und Soul waren auf Wanderschaft und der Jazz gebar dem Rock ein Kind.
Sehnsuchtsvoll blicken THREE SEASONS zurück auf diese Zeit, in der so vieles möglich schien, Experimente kein Ausschlusskriterium waren und mehr Außerirdische die Bühnen dieser Welt bevölkerten als Verschwörungstheoretiker unter ihren Betten nach Monstern from outer space suchten. Trotzdem waren die Hitparaden bevölkert von den BAY CITY ROLLERS, den OSMONDS, BONEY M., SMOKIE und dem restlichen Scheiß, der anscheinend immer oben schwimmt, egal ob wir in rebellischen oder angepassten Zeiten leben.
Scheiß drauf, die DOORS verkauften eine Menge Platten, BLACK SABBATH ebenso, VELVET UNDERGRIUND waren zwar immer mehr Kult als Hit, aber wer zur „Foxy Lady“ tanzte, zwischen der drei- und achtzehnminütigen Fassung von „In-A-Gadda-Da-Vida“ pendelte und seinen besoffenen Garten Eden fand, der hatte auch Spaß mit FRUMPY, NEKTAR, BIRTH CONTROL oder SILBERBART.
Womit wir beim ‚etc.’ wären. THREE SEASONS frönen nicht nur einem blues- und progressivgeschwängerten Acid-Rock der ersten Stunde. Sondern gehen glatt als Krautrock-Wiedergänger der heftigeren Sorte durch. Gitarren und Orgel liefern sich knallige Duelle, die Rhythmus-Fraktion unterstützt dies mit Wucht und auch wenn Sartez Faraj nicht ganz an die Bestleistungen Inga Rumpfs anknüpfen kann, lässt sein inbrünstiger, leicht schräger Vortrag keinen Zweifel daran, dass er seinen Platz als Nachlassverwalter redlich verdient hat.
Gelegentlich geht es etwas ruhiger, gar folkloristisch zu, und gerade diese Hängepartien gehören zu den Höhepunkten auf „Grow“. Gilt auch für die psychedelische Soul-Ekstase „Familiar Song“ zum krönenden Abschluss.
FAZIT: „Ultimately passing away time, which no longer has any meaning” sang Peter Hammill und THREE SEASONS halten sich daran. Nimm, was du am Gestern (oder Vorgestern?) liebst, und lass es heute blühen. Funktioniert. „Grow“ ist ein Leviathan mit Seele, der den Heavy--Progressive-Soul-Blues-Flower-Power-Rock, zwischen dem Summer of Love und Deutschland im Herbst, aufgesaugt hat und 2014 so ungestüm wie kunstvoll wieder ausspuckt. Die Wertung erfolgt mit Flashback-Sternchen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.05.2014
Olle Risberg
Sartez Faraj
Sartez Faraj
Sartez Faraj
Christian Eriksson
Record Heaven/Transubstans Records
49:31
14.05.2014