Zurück

Reviews

Tony Spinner: Earth Music For Aliens

Stil: Blues Rock

Cover: Tony Spinner: Earth Music For Aliens

Aus deutschsprachiger Sicht wirkt manch ein Sologitarrenkünstlername etwas unglücklich gewählt. Solange aber Genies wie RICHIE KOTZEN weiter so gute Musik fabrizieren wie bisher, werden auch in Deutschland die belustigten Reaktionen schnell dem kollektiven Staunen weichen. Ob das auch in uneingeschränktem Maße auf TONY SPINNER zutrifft, wage ich zu bezweifeln.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: schaut man sich bei youtube in der Live-Sektion des Herrn Spinner um, erkennt man schnell, dass der Kerl mächtig was auf dem Kasten hat. Dabei gelingt ihm genau das, woran so viele scheitern. Die Musik hört sich nicht nur locker leicht an, es sieht genauso entspannt aus, wenn TONY SPINNER ein paar halsbrecherische Soli und Licks aus seinem Sechssaiter zaubert. Die Krux liegt in einer ganz anderen Ebene begründet, an der sich mindestens genauso viele Künstler die Zähne ausbeißen.

Eigenständige Songs mit Wiedererkennungswert zu schreiben, das bleibt der Elite vorbehalten. Man kann TONY SPINNER zwar zu Gute halten, dass er die eigene Band nicht als Spielwiese zur Selbstbeweihräucherung in Form des permanenten Solierens missbraucht, sondern viel mehr an echten Songs interessiert ist. Eigentlich ist die Musik auf "Earth Music For Aliens" auch ein netter Südstaaten-Rundumschlag, kommt aber nie über den "das hab ich doch schon mal gehört"-Status hinaus. Besonders prekär wird die Lage, nachdem das als STEVIE WONDER-Hommage gedachte 'Let Her Go' scharf an der Grenze zum Plagiat wandelnd einem die Augen öffnet. Herr Spinner weist doch tatsächlich eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Funk-Großmeister auf, zumindest was die Stimmlage und -farbe angeht. Wofür der Mann an sich nichts kann, wird ihm dahin gehend zum Verhängnis, dass ihm ab jetzt der letzte Rest Eigenständigkeit flöten geht. Schade, denn eigentlich könnte die Melange aus Blues Rock, Americana, Soul und Funk gepaart mit einem guten Sound und der unbestreitbaren Klasse der Musiker eine richtig nette Angelegenheit sein.

FAZIT: Leider schafft es TONY SPINNER nicht seine Klasse in durchweg starke Songs umzumünzen. Als er dann auch noch selbst darauf hinweist, dass er sich wie ein gewisser STEVIE WONDER anhört, ist das letzte Stück Eigenständigkeit passé.

Punkte: 8/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.02.2014

Tracklist

  1. Best Friend
  2. Dust And Ash
  3. Let Her Go
  4. The Answer
  5. Hot Mess
  6. Good For Me
  7. Stop
  8. It's A Living
  9. Low Down Dirty Shame
  10. Got What I Wanted
  11. Missy Talk
  12. Free Now
  13. No Good

Besetzung

  • Bass

    Michel Mulder

  • Gesang

    Tony Spinner

  • Gitarre

    Tony Spinner

  • Schlagzeug

    Alex Steier

Sonstiges

  • Label

    Grooveyard Records

  • Spieldauer

    58:46

  • Erscheinungsdatum

    15.11.2013

© Musikreviews.de