So konstruiert man Kult: TOR-PEDERS haben vor einigen Jahren eine Single veröffentlicht, eine Handvoll Gigs gespielt und dann das Handtuch geschmissen, nicht zuletzt nachdem Gitarrist Jonas tödlich verunglückte. Eine Reunion wird es demnach nicht geben, auch wenn skandinavischer Retro-Stoff gerade gefragt ist. Diese Veröffentlichung kommt nur auf Clear Vinyl mit Bonus-Single und ist somit echter Liebhaber-Kram.
Es gäbe schlimmeres, denn dieses Album der Schweden klingt recht originell, wenn man auch produktionstechnisch in den Frühsiebzigern steckengeblieben ist: der transparente Trio-Sound ist nicht sonderlich druckvoll ausgefallen, aber reizvoll, genauso wie die zum Stil erhobene Mischung aus Surf-Gitarren (Opener), Heavy Prog ("Tema Ett", ein Cover von George Martins "Theme One") und Orgel-Eskapaden wie in den teils improvisierten Tracks "Smafaglars Varn" sowie "Incident Vid Domsted", das es auf elf Minuten bringt.
"Islossning I C-Moll" kokettiert hingegen mit leichterem Briten-Beat, allerdings veredelt durch fließende Gitarrenleads, die quasi den Gesang ersetzen. "Sinnet Rinner" wiederum mutet wie streng komponierter Artrock an und eignet sich auch ohne Stimme dank seines markanten Motivs zum Mitsummen - definitiv das Highlight der Platte, obschon die beiden Single-Songs auch nicht übel sind: eine DEEP-PURPLE-verdächtige Ballade in Form von "Signed Tp" und ein sich langsam aufbauendes Epos ("L'Esprit D'Escaliere") als Grande Finale.
FAZIT: Guter, völlig retrospektiver Instrumental-Rock ohne dudeligen Psych-Firlefanz, dafür im besten Sinne assoziationsreich für Kenner der Materie, also mal ganz smart PÄRSON SOUND, FLÄSKET BRINNER oder MIDSOMARs zweite Platte in den Raum geschmissen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.05.2014
Tobias Resch
Johan Svedmyr
Jonas Redmo
Kg West
Bruce Elvis Läderlappen, Johan Efraimsson
Fruits De Mer
57:22
30.05.2014