Selten brachte ein Albumtitel die Musik einer Band so perfekt auf den Punkt: "Blissfucker" heißt das vierte Album von TRAP THEM aus Seattle, "bliss" bedeutet "Seligkeit" und "fucker"… dürfte bekannt sein.
Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Bands, die Hardcore mit schwedischem Death Metal kombinieren: MAMMOTH GRINDER, BLACK BREATH, ALL PIGS MUST DIE, SKINFATHER. Keine klingt so wie TRAP THEM, deren Riffs nicht in den Nacken, sondern in die Magengrube gehen. Verzweiflung und Ohnmacht machen den Sound dieser Band aus, verlorene Kämpfe, unglückliche Liebe. Eine Einladung zum Selbstmord, wäre da nicht diese massive Riff-Wand, die eine geradezu euphorisierende Wirkung entfaltet – sofern man auf Heavy Shit dieser Sorte steht.
2011 dominierten auf dem Vorgänger "Darker Handcraft" noch zügellose Grindcore-Attacken, auf "Blissfucker" dagegen herrscht strangulierendes Mid-Tempo. TRAP THEM haben die Komplexität ihres letzten Albums aufgegeben, ihre neuen Songs sind simpler und wirken unmittelbarer, was aber auch bedeutet, dass sie teilweise mit nur einem bis zwei Riffs auskommen müssen.
"Darker Handcraft" verging wie im Flug, "Blissfucker" hat Längen. Die kaputten Melodien von "Gift and Gift Unsteady", "Organic Infernal", "Sanitations" und "Bad Nones" verursachen allesamt Gänsehaut, klingen aber auch sehr ähnlich. "Lungrunners", ein Hagel aus Glasscherben und Nadeln, beginnt als stärkster Song des Albums, hält dieses Niveau aber nicht zum Schluss.
FAZIT: Starkes Album. Berücksichtigt man aber, dass TRAP THEM mit "Darker Handcraft" vor drei Jahren ein atemberaubend komplexes, mutiges und hartes Meisterwerk veröffentlicht haben, wirkt "Blissfucker" im Vergleich reichlich unausgegoren.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.06.2014
Galen Baudhuin
Ryan John McKenney
Brian Vincent Izzi, Brad Fickeisen
Prosthetic Records
46:11
10.06.2014