Der Feuer speiende Drache auf dem Cover ist in etwa so furchteinflößend wie die zahllosen „Hello Kitty“-Utensilien meiner Tochter, und wer noch Zweifel an der Art der Musik hat, dem wird spätestens, wenn der Bandname TWILIGHT FORCE und Songtitel der Marke „In The Mighty Hall Of The Fire King“ oder „The Power Of The Ancient Force“ erwähnt werden, ein Licht aufgehen. Dass auf „Tales Of The Ancient Prophecies“, dem Debütalbum der Schweden, nichts anderes als bombastischer Metal der Marke RHAPSODY und Co. gespielt wird, kann natürlich nicht überraschen.
Geboten wird all das, was man auf solch einem Album erwarten kann: Hochgeschwindigkeits-Attacken, alldominante Keyboards, bis zum Platzen aufgeblasene Arrangements, Pathos in jeder verfügbaren Fuge, zuckrig-klebrige Melodien, die mit der Presslufthammerfanfare in die Gehörgänge geprügelt werden. Alles also so, wie man es von einem Hybriden aus den bereits erwähnten RHAPSODY (Of Fire oder eben Not Of Fire), DRAGONFORCE, SONATA ARCTICA, INSANIA STOCKHOLM oder PATHFINDER erwarten kann. Dass in den elf Songtiteln gleich achtmal das Wörtchen „of“ vorkommt (wieso müssen diese ganzen Fantasy-Metaller eigentlich immer alles mit „of“ beschreiben?), ist eine eher amüsante Randnotiz, die man als gewollte Überhöhung noch schmunzelnd zur Kenntnis nimmt. Die gesprochenen Zwischenspiele unterschreiten aber selbst das Niveau von MANOWARs epischer Selbstverballhornung „Gods Of War“ mit Leichtigkeit, so dass der Hörer angesichts der dargebotenen Faselei kaum an sich halten kann. Und die Tatsache, dass Sänger Christian Hedgren mehr als einmal schmerzhaft ins Kreischen abfällt und dabei reichlich neben der Spur tönt, macht „Tales Of The Ancient Prophecies“ endgültig zu einem zweifelhaften Vergnügen – da reicht es nicht, dass die Musiker kompetent an ihren Instrumenten werkeln und die Songs nicht „schlimmer“ klingen als bei einigen anderen B-Klasse-Vertretern dieses Genres.
FAZIT: Man fragt sich ja schon, ob TWILIGHT FORCE das alles bierernst meinen: Bandname, „lustige“ Kostüme, Songtitel, die vor Klischees nur so triefen – und dann das Ganze auch noch als „Adventure Metal“ bezeichnen. „Adventure Metal“? Sorry Jungs, aber wenn man Abenteuer erleben will, dann geht man ins Kino, lässt sich im Freizeitpark bespaßen, hört meinetwegen auch noch „Gods Of War“ (Nervenkitzel, you know?). Aber „Adventure Metal“? Nein, danke. Dann lieber das „Adventure Of Metal“ mit einem guten Album erleben. Und davon gibt’s ja glücklicherweise mehr als genug.
Punkte: 5/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.06.2014
Borne
Christian Hedgren
Felipe, Andreas O.
Daniele
Roberto
Black Lodge Records
37:37
06.06.2014