Nach ihrem Quasi-Durchbruch auf breiter Ebene mit dem letzten Album zeigt sich die Gruppe aus North Carolina wie zu erwarten noch etwas massenkompatibler, hat aber nichts von ihrem Herzblut verloren. "Wolves" befasst sich stärker mit dem Zwiespalt aus Musikerleidenschaft und damit einhergehender Entbehrung, aus Liebe zur beschaulichen Heimat, in der die Wurzeln von AMERICAN AQUARIUM liegen, und weiter Welt, in die das Ensemble streben muss, um sich auszuleben.
Das soweit textlich; musikalisch äußert sich dieser Inhalt in melancholischen, üppig arrangierten Tracks mit einem Potpourri von Einflüssen aus dem weitläufigen Roots-Bereich. Das Sextett ist sich zum Jammen nicht zu schade ("Ramblin' Ways"), setzt aber wie schon angedeutet auf eingängige Kompositionen. Diese reichen von dezentem Rhythm 'n' Blues ("Southern Sadness") über zarten Country (die Klos-im-Hals-Ballade "Man I'm Supposed to Be") bis zu immer wieder Singer-Songwriter-Elementen ("End Over End"), sodass es am Ende insbesondere die Gänsehaut-Texte sind, die für Aha-Momente sorgen.
Daneben haben AMERICAN AQUARIUM ein paar der besten Heartland-Rocker im Köcher, die Bruce Springsteen nie geschrieben hat ("Old North State", "Losing Side of Twenty-Five", "Who Needs A Song"). Wer das zahnlos findet, hat diese Musik generell nicht verstanden oder eine kategorische Abneigung gegen vorwiegend den Yankee beschäftigende Themen, aber mal ehrlich: Kann sich nicht jeder dann und wann mit dem Gefühl identifizieren, entwurzelt zu sein?
FAZIT: Man muss auf die Behäbigkeit stehen, die AMERICAN AQUARIUM mit "Wolves" hervorkehren, doch dann gefällt dieses Album beim aufmerksamen Hören und entfaltet seine findigen Arrangements, denen bei allem Zuspruch des vermeintlichen Mainstreams immer noch keine Ecken oder Kanten fehlen.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.03.2015
Bill Corbin
BJ Barham, Ryan Johnson, Whit Wright, Colin Dimeo
Kevin McClain
Blue Rose / Edel
40:03
20.03.2015