Der schottische Naturwissenschaftler (!) mit dem Nom de Guerre ANT LAW (unter anderem auch im Kader von Tim Garland zu sehen) spielt auf seinem zweiten Album, auch wenn er Gitarrist ist, mitnichten klampfenlastigen Stoff, sondern reicht ein ganzheitliches Jazz-Album mit ungewöhnlichen Klangfarben und Kompositionsstrukturen ein, wobei selbstredend auch die Improvisation eine Rolle spielt.
So deutet das Ensemble den klassischen Walzer völlig um ("Waltz") und zeigt generell ein Faible für rhythmisch Ungelenkes ("Mishra Jathi"), wobei der Gitarrist nie preisgibt, von einer bestimmten Größe seines Genres beeinflusst worden zu sein. Weder klassische Sechssaiten-Artisten wie Wes Montgomery (sagt in "Triviophobia" hallo) noch immer moderne Grenzgänger wie John Scofield schimmern offensichtlich durch, gleichwohl man sicherlich Ansätze ausmachen darf.
Das Quintett versteht es gleichermaßen, dichte Arrangements transparent klingen zu lassen (Beispiel: das Unisono-Titelstück) und aufgeräumten Texturen zu als üppig wahrgenommener Fülle zu verhelfen, woran nicht zuletzt die Bass und Schlagzeug großen Anteil haben (höre "Parallel People"). Dass Freiform-Jazz den Reigen lediglich bereichert ("Monument"), statt Programm zu sein, macht "Zero Sum World" zum unbedingt konsensfähigen, aber beileibe nicht stromlinienförmigen Gattungsalbum.
FAZIT: ANT LAW ist eines der eigenständigsten Sprachrohre der europäischen Jazzszene und schwimmt sich trotz klassischer Quintettformation von allen Konventionen frei, ohne die traditionsbewusste Basis zu verprellen. Wer den "Blues" so ganz anders hat wie dieser Mann, gehört unbedingt beachtet!
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.03.2015
Tom Farmer
Ant Law
Ivo Neame
James Maddren
Michael Chillingworth (Saxofon)
Whirlwind / Indigo
70:05
13.02.2015