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Drifting Sun: Trip The Life Fantastic

Stil: Neo-Prog mit missglückten Metal-Ausflügen

Cover: Drifting Sun: Trip The Life Fantastic

Wenn eine Band aus England bereits ihr drittes Album herausbringt und dies in der dritten (unterschiedlichen) Besetzung - also so gesehen DRIFTING SUN Mk. III - und die im Vereinigten Königreich beheimateten Musiker noch immer keine ernstzunehmende progressive Duftmarke hinterlassen haben, dann kommt durchaus gerechtfertigte Skepsis auf. Auch „Trip The Life Fantastic“ kann diese Zweifel nicht gänzlich ausräumen. Dabei standen die Chancen wirklich gut. Nur hätten dann alle 10 Songs die Qualität haben und halten müssen, wie der Titel-Track und die vier recht akustisch gehaltenen Instrumentals des Albums.

Piano und Gesang eröffnen „Trip The Life Fantastic“ und sofort fällt auf, dass der Sänger PETER FALCONER ein sehr angenehmes Organ besitzt, das sich in ungeahnten Höhen zu bewegen vermag, ohne zu flattern oder zu zittern, aber auch die tiefen Töne immer wieder souverän trifft. Bis dahin könnten wir es auch mit einer gelungenen SAGA-Ballade zu tun haben, doch dann versuchen DRIFTING SUN auf den Zug aufzuspringen, in dem bereits QUEENSRYCHE und DREAM THEATER sitzen. Keine sehr kluge Entscheidung, denn hier werden die Reserven hinter der Musik von DRIFTING SUN deutlich. Synthetisch klingende Keyboards treffen auf viel zu verhaltene E-Gitarren, die künstlich auf Härte getrimmt erscheinen sollten. Das alles ist auch noch deutlich zu hoch abgemischt und es fehlen schmerzhaft Bässe, die auch mal wummern können oder den Raum druckvoll füllen.

Piano, Gesang, Balladen, Akustisches, einige Melodien und sogar die eine oder andere Hookline werten „Trip The Life Fantastic“ zwar deutlich auf, doch sowie Härte in das DRIFTING SUN-Spiel kommt, geht‘s ab in den Keller. So entsteht der Eindruck, als wollten die Briten neben der treibenden Neo-Prog-Sonne auch mal einen richtigen Metal-Kracher aus den Wolken ballern, nur der geht mangels fehlender Blitze in die aufgeplusterte Hose. „Tormented“ ist das beste Beispiel für solchen missglückten Härte-Schub, dessen schönster Moment in einem kurzen Bass-Solo besteht, das aber durch die permanent auf dicke Hose machenden Keys - welche trotzdem viel zu dünn klingen - und die leichte Gitarren-Frickelei fast unfreiwillig komisch und wie ein Fremdkörper im konzeptionellen Aufbau des Albums wirkt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass auch der Text nicht gerade zu den lyrischen Meisterleistungen progressiver Dichtkunst zählt. Ein lahmarschiges Ausblenden von „Tormented“ gibt dann dem Song endgültig den Rest. So klingt unprofessioneller Prog - gut gewollt, aber schlecht gemacht!

Leider tritt der abschließende, knapp zehnminutige Longtrack „Last Supper“ in eine ganz ähnliche Musikspur. So bleibt von dem Album am Ende ein großartiger Anfang, ein paar wunderschöne akustische Instrumentalteile plus gelungene Piano-Passagen samt beeindruckendem Gesang, aber leider auch ein zum Ende hin immer schwächer werdender Gesamteindruck in Erinnerung. Schade eigentlich - da hilft auch die deutliche GENESIS-Marke vier Minuten vor CD-Schluss nichts mehr.

FAZIT: Auch das dritte Album der britischen Prog-Band DRIFTING SUN wird nicht als musikalischer Paukenschlag einen vorderen Platz auf irgendwelchen progressiven Jahres-Hitlisten einnehmen. Es hat zwar ein paar wahrhaft starke Momente, die allerdings im allgemeinen Mittelmaß von „Trip The Life Fantastic“ viel zu rar gesät sind.

Punkte: 9/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.06.2015

Tracklist

  1. Trip The Life Fantastic
  2. Peach Blossoms
  3. The Wizard
  4. Sunsets
  5. Lady Night
  6. Ode To Nevermind
  7. Five Ever
  8. XXX Forever
  9. Tormented
  10. Last Supper

Besetzung

  • Bass

    Dan Storey

  • Gesang

    Peter Falconer

  • Gitarre

    Dan Storey, Andrew Howard

  • Keys

    Pat Sanders

  • Schlagzeug

    Will Jones

Sonstiges

  • Label

    Eigenvertrieb / Just For Kicks

  • Spieldauer

    53:09

  • Erscheinungsdatum

    16.06.2015

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