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The Quireboys: St Cecilia And The Gypsy Soul

Stil: Akustischer Folk plus Country plus Pop

Cover: The Quireboys: St Cecilia And The Gypsy Soul

Die QUIREBOYS kommen in die Jahre.
Und wie das so ist, wenn man in die Jahre kommt, kann man beruhigt und auch angenehm berührt auf dieser reichlich gefüllten CD-Box „St Cecilia And The Gypsy Soul“ hören.
Man wird eben älter, reifer und vor allem ruhiger!
Oder man lässt so gesehen seine Musik-Seele mitten in St. Cecilia baumeln, wo auch mal zarte Streicher so richtig schmachten und zärtlicher Schmalz, ohne jedoch einen unangenehmen Pfropfen zu bilden, aus den Ohren tropfen darf.

Die aktuellsten Musik-Grüße der QUIREBOYS sind wahrhaft was für „Heart & Soul“ - so eine Art akustischer QUIREBOYS-Kuschel-Rock-Sampler - ohne allerdings irgendwann peinlich, dafür manchmal aber etwas langweilig zu werden. Auch eine „neue“ Stimmlage hat der gute SPIKE neuerdings drauf. Wenn man „Can‘t Hide It Anymore“ - eine Country-Ballade - hört, fühlt man sich neben BON JOVI auch an BOB GELDOF erinnert. „There She Goes Again“ auf der zweiten Quartett-Box-CD „Halfpenny Dancer“ klingt dann wie eine frühe ROD STEWART-Ballade inklusive Fidel.

Der anfängliche Plan der Band für dieses Album war eigentlich, bereits auf anderen QUIREBOYS-Studio-Alben vorhandene Songs neu zu bearbeiten und als akustische Variante während einer Woche in einem Studio in Schweden aufzunehmen. Doch dieser Plan änderte sich ganz schnell, auch darum, weil die schwedische Landschaft die Musiker extrem inspirierte, wie Sänger SPIKE feststellt: „Irgendwas Atmosphärisches lag auf diesem Ort und wir wurden immer besser und einfallsreicher, bis plötzlich alles im Fluss war und statt, wie vorgesehen zehn bearbeiteter Songs, zehn völlig neue Songs herauskamen.“

Nicht jedem wird dieser neue, fast ausschließlich akustische, durch die schwedische Landschaft zwar inspirierte, aber eher an die unendliche Weite eines einsamen, amerikanischen Highways erinnernde Sound der QUIREBOYS zusagen. So viel ist bereits nach dem ersten Hördurchgang der immerhin fast drei Musikstunden auf „St Cecilia And The Gypsy Soul“ klar, auf dem neben der akustischen Hinwendung auch eine sehr starke Country-Ausrichtung der Briten auffällt. Wahrscheinlich bekommt man wohl gerade darum auch neben dem eigentlichen Studio-Album in dieser Ausgabe gleich noch das Vorgängeralbum „Halfpenny Dancer“ (2009) sowie ein bisher unveröffentlichtes Konzert aus dem Jahr 2010 mit dazu, das tatsächlich eher an eine Country-Band als an die QUIREBOYS erinnert und bei dem jede Menge Pedal Steel, Banjo, Fidel und Mandoline zum Einsatz kommen.

Oftmals hat man beim Hören der CDs regelrecht um SPIKES Stimme Angst, die als eine brüchige Kombination von TOM WAITS und ROD STEWART daherkommt. Irgendwann muss der Gesang doch abbrechen, aber nein, diese leicht „versoffen-verrauchte“ Sanges-Ästhetik zieht souverän ihre Bahnen durch jeden einzelnen Song. Und da die alle ruhig gehalten sind, erübrigt sich natürlich die Frage, ob Ähnliches der Fall gewesen wäre, wenn die QUIREBOYS ihre bis dahin doch gewohnten, härter rockenden Songs zum Besten gegeben hätten.

Der zweite Teil des „Halfpenny“-Konzerts schwelgt dann besonders durch den fast übertriebenen Einsatz einer Pedal Steel dermaßen in Country-Gefilden und schmachtet herzerweichend, in diesem Falle mitunter wirklich schlagerhaft vor sich hin. So viele Feuerzeuge, wie man beispielsweise bei „Late Night Saturday Call“ schwenken müsste, kann man sich bei einem QUIREBOYS-Konzertbesuch gar nicht einstecken. Außerdem erinnert mich zumindest gerade dieser Song an eine Dame, deren Stimme immer ähnlich gepresst wie bei SPIKE klang und die mit „Total Eclipsed Of A Heart“ - einem von MEAT LOVE zuvor abgelehnten Song - echten Weltruhm erlangte: BONNIE TYLER.
Danach gibt‘s noch ein paar ruhige Blues-Nummern bis zum Schluss und fertig ist dieses dicke, dunkle, akustische und ruhige QUIREBOYS-Studio-&-Live-Paket.
Für Fans unverzichtbar.
Für alle Freunde leiser QUIREBOYS-Töne unverzichtbar.
Für Leute, die ihre sonst elektrifizierte Band auch mal akustisch erleben wollen, unverzichtbar.
Für diejenigen aber, die die QUIREBOYS immer wegen ihrer härteren und abgefahreneren Stücke liebten, verzichtbar.

FAZIT: Die QUIREBOYS klingen auf „St Cecilia And The Gypsy Soul“ sehr deutlich nach Pub bzw. Kneipe, aber überhaupt nicht nach Rock-Schuppen. Mit einem guten Bier in der Hand und einem verträumten Blick in den Himmel ist diese Box eine herrlich Begleitung, wer aber noch immer seiner „Born To Be Wild“-Phase hinterherhängt, der wird bestimmt nicht sonderlich warm mit diesen akustischen QUIREBOYS, egal ob als Studio- oder Live-Ausgabe.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.04.2015

Tracklist

  1. CD 1 „St Cecilia And The Gypsy Soul“ (39:14):
  2. Gracie B
  3. Land Of My Father
  4. St Cecilia
  5. The Promise
  6. Can‘t Hide It Anymore
  7. Out Of Your Mind
  8. The Hurting Kind
  9. Adaline
  10. The Best Are Not Forgotten
  11. Why Did It Take So Long
  12. CD 2 „Halfpenny Dancer“ (53:40):
  13. There She Goes Again
  14. Devil Of A Man
  15. Love To Love
  16. Mona Lisa Smiled
  17. I Can‘t Stop Loving You
  18. Roses & Rings
  19. Baby It‘s You
  20. Hello
  21. Pretty Girls
  22. He‘ll Have To Go
  23. Long Time Comin‘
  24. Hates To Please
  25. King Of New York
  26. CD 3 „Halfpenny Live - Part I“ (39:02):
  27. There She Goes Again
  28. Devil Of A Man
  29. Mona Lisa Smiled
  30. Love To Love
  31. Roses & Rings
  32. Pretty Girls
  33. Can‘t Stop Loving You
  34. One For The Road
  35. Hello
  36. CD 4 „Halfpenny Live - Part II“ (41:08):
  37. Hates To Please
  38. Long Time Comin‘
  39. Have A Drink With Me
  40. Late Night Saturday Call
  41. Misled
  42. Love This Dirty Town
  43. 7 O‘Clock
  44. I Don‘t Love You Anymore

Besetzung

  • Bass

    Nick Malling

  • Gesang

    Spike

  • Gitarre

    Guy Griffin, Paul Guerin

  • Keys

    Keith Weir

  • Schlagzeug

    Dave McCluskey

Sonstiges

  • Label

    Off Yer Rocka Recordings / Cargo / Soulfood

  • Spieldauer

    173:04

  • Erscheinungsdatum

    17.04.2015

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