Das "No Wave" im Titel mag das beinahe schon legendäre Trio THE JON SPENCER BLUES EXPLOSION nicht umsonst gewählt haben, als es ans Benennen seines neuen Albums ging: "Freedom Tower" klingt tatsächlich freier und vor allem zwingender als sein eher mäßiger Vorgänger "Meat And Bone" und lässt sich ohne weiteres als eines der Karriere-Highlights der Combo bezeichnen.
Die klassische Garage rumpelt vor allem bei treibendem Stoff wie "Betty vs. the NYPD" oder "Dial Up Doll", doch selbst der ist widerspenstig wie Iggy und seine STOOGES vor knapp 40 Jahren, gleichzeitig dass man wunderbar mit dem Hintern wackeln kann. Die Kompositionen klingen spontan, gerade auch wegen ihrer überschauberen Länge, und bergen in ihrer mal stoischen ("White Jesus"), mal sprunghaften Anlage viel Funk in sich ("Funeral").
Für Nachhaltigkeit bei so viel Kurzweil sorgen andererseits nur scheinbar ins Leere verlaufende Stücke wie der Stechschritt "Do the Get Down" oder das narrative "Down and Out", die erst beim zweiten, dritten Hör kompositorische Intelligenz entfalten. An Einfällen hat es der EXPLOSION schließlich noch nie gefehlt, bloß musste man sie stimmig zusammensetzen; das ist der Combo auf "Freedom Tower" so gut wie lange nicht gelungen.
Tatsächlich stehen die stärksten Songs in der zweiten Hälfte: das polternde Doppel aus "Crossroad Hop" und "Cooking for Television" am Ende sowie das verbotenen Sex ausstrahlende "Bellevue Baby". Mehr als solide Sache also.
FAZIT: "Freedom Tower" steht gemeinsam mit "Orange" und "Damage" auf dem Treppchen der Großtaten von THE JON SPENCER BLUES EXPLOSION und begeistert sowohl Freunde der alten Garage-Ikonen als auch Fans der nicht mehr ganz so neuen neuerer im Dunstkreis von WHITE STRIPES. Sollte man in diesem Bereich 2015 gehört haben.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.03.2015
Jon Spencer
Judah Bauer, Jon Spencer
Russell Simins
Bronzerat / Soulfood
34:32
20.03.2015