Zu Hause in Irland erschien das zweite Album von THE MINUTES schon im vergangenen Frühjahr, jetzt erblickt "Live Well, Change Often" das Licht der großen, weiten Welt mit zugkräftigem Label Partner, und das ist angesichts des starken Inhalts auch gut so.
Produzent GGGarth hat der Gruppe einen natürlich an- und abschwellenden Sound verpasst, der sich vor allem im zeitlosen Stadion-Rocker "Hey, Hey" und während des Weite vermittelnden "Outlaws" (monströs fettes Slide-Spiel) äußert, aber Breitwand-Yankee-Rock bieten THE MINUTES beileibe nicht. Wir reden hier schließlich von Musikern aus der Heimat von Phil Lynott, aber den Terminus "Classic Rock" heften wir der Truppe bitte auch nicht ans Revers, großartige Swingr von "Hold Your Hand" und der schmierigen Single "Cherry Bomb" hin oder her. Die Harmony-Vocals im Power-Popper "Holy Roman Empire" und beim epischen Finale "Mystery Of Om" haben sogar etwas von den zu früh verblichenen PURE REASON REVOLUTION, aber Namen sind hier wirklich mal Schall und Rauch.
Das hämmernde "7 Seas" sagt Punk, und das fiebrig zuckelnde "Supernatural" schielt in eine eigentlich unsägliche Richtung, wie sie auf der Nachbarinsel kultiviert wurde, doch THE MINUTES wirken nicht einmal albern, wenn sie hier oder in "1,2,3,4" die "The"-Band-Spastiker heraushängen lassen. Diese Musik ist auch durchaus etwas für, äh … Musiker, denn die einzelnen Player ergeben letztlich das recht unverkennbare Ganze: Die Rhythmusgruppe ist schlicht fabelhaft, und die zarte Ballade "Lo And Behold" wäre ohne Austins bestechende Stimme nicht der Rede wert oder zumindest unauffälliger als der Rest; so reiht sie sich trefflich in ein songstarkes Album nach klassischen Werten ein.
FAZIT: Bands wie THE MINUTES gibt es nur auf den ersten Hör wie Sand am Meer. It's only Rock 'n' Roll, aber was die Iren mit ihrem Knöpfedreher aud dieser sinnträchtig betitelten Scheibe geschafft haben, ist eine Mischung aus Independent-Flair ganz ohne neuzeitliche Röhrenjeans- und Seitenscheitel-Konnotationen sowie Straßenköter-Attitüde, selbige dann analog bar jugendlicher Verbindlichkeit. Will heißen: "Live Well, Change Often" begeistert alle Altersklassen und verwehrt sich gegen aufgesetzt pubertierende Rebellion.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 31.01.2015
Tom Cosgrave
Mark Austin
Mark Austin
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Model Citizen / ADA-Warner
39:34
06.02.2015