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The Waterboys: Modern Blues

Stil: Rock, Folk, Blues, Soul, Waterboys eben

Cover: The Waterboys: Modern Blues

In zahlreichen Kritiken wird die angebliche Rückkehr der WATERBOYS mittels „Modern Blues“ gefeiert. So, als wären sie je weg gewesen. Dabei liegt Mike Scotts mitreißende Herzensangelegenheit „An Appointment with Mr. Yeats“ gerade einmal dreieinhalb Jahre zurück, und die exzellente „Fisherman’s Box“, deren sechs CDs die folkige Seite der WATERBOYS einprägsam beleuchten, erschien vor etwas mehr als einem Jahr.

Warum „Modern Blues“, neben ein paar schnöden Naserümpfern, abgefeiert wird als wäre es die Rückkehr der Band, beziehungsweise der aktuellen Begleiter des Chef-Waterboys Mike Scott, zu alten Stärken, ist etwas schleierhaft. Denn einen wirklichen Ausfall gibt es in der Diskographie nicht. Das an und für sich gelungene „Pagan’s Place“ litt darunter, dass es zur Entstehungszeit wie eine bloße Erweiterung des hervorragenden Debüts klang und Alben wie „Dream Harder“ traten (sympathisch) auf der Stelle, ruhten sich am Rand des gewählten musikalischen Pfades aus.

Mike Scotts musikalischer Nashville-Ausflug, erstmals als eigener Produzent, ist näher am Mainstream als die vorigen Werke. Vielleicht deshalb die weitläufigere Akzeptanz. Wobei der gewählte Mittelweg erdiger Rock ist, um den herum sich die typischen WATERBOYS Ingredienzien ansammeln, plus eine Prise mehr Blues als üblich. Celtic Soul, kräftiger Folk mit Fiddle-,Orgel-,Bläser-Einsatz, anrührende Balladen mit Schmackes – ist alles reichhaltig vorhanden.

Auch textlich wird der einfache Weg gewählt. Da wird den Vorbildern ein Schrein gebaut, allen voran Elvis, der dünne mit dem sexy Hüftschwung, nicht der in die Breite gegangene mit Fress- und Tablettensucht und eigener Las-Vegas Show. Zu „Doo wops“ werden noch Charlie Parker, Jimi Hendrix, Marvin Gaye, John Lennon im Handstand und weitere übliche Verdächtige abgefrühstückt. Genießbar, weil „I Can See Elvis“ eine hammondgeschwängerte Mitgeh-Hymne ist wie sie (fast) nur Mike Scott hinkriegt.

Des Weiteren besingt Scott mit seinem unverkennbaren, lasziv-nasalen Organ Freaks, Verlustangst, religiösen Wirrwarr, „The Girl Who Slept For Scotland“ und ist fest davon überzeugt, dass „Rosalind“ den falschen Kerl geheiratet hat. Und immer wieder die Sehnsucht nach wahrer Schönheit, besonders wenn man ‚Unterwegs‘ ist.

Passend dazu der vollmundige, etwas gleichförmige, Sound, dem man mitunter eine etwas akzentuiertere Produktion gewünscht hätte, gerade wenn Fiedel, Orgel, Klavier oder Gitarre sich in euphorische Soli steigern.
Ein klinisch reiner Mix wäre allerdings schlimmer gewesen und so kann man am Ende, nachdem VAN MORRISON, inklusive starker Bläser-Sektion, gehuldigt wurde („Nearest Thing To Hip“) auf der über zehnminütigen „Long Strange Golden Road“, mit einer Träne im Knopfloch und Jack Kerouac im mentalen Schlepptau, ziemlich zufrieden nach Hause gehen.

Hinterm FAZIT steht ein solides Album, dass die liebgewonnen WATERBOYS-Trademarks launig und mit Bedacht pflegt. Gruppenangehörige haben das Werk natürlich längst im Schrank, aber auch die Freunde von TOM PETTY und Verwandtem können getrost beide Ohren riskieren.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.02.2015

Tracklist

  1. Destinies Entwined
  2. November Tale
  3. Still A Freak
  4. I Can See Elvis
  5. The Girl Who Slept For Scotland
  6. Rosalind (You Married The Wrong Guy)
  7. Beautiful Now
  8. Nearest Thing To Hip
  9. Long Strange Golden Road

Besetzung

  • Bass

    David Hood

  • Gesang

    Mike Scott, Don Bryant, Vicki Hampton, Jeff Adams, Robert Bailey

  • Gitarre

    Mike Scott, Jay Barclay, Zach Ernst, Phl Madeira

  • Keys

    Paul Brown, Mike Scott, Felson "Fingers" MacNeal

  • Schlagzeug

    Ralph Salmins, Greg Morrow

  • Sonstiges

    Steve Wickham (fiddle), Steve Hermann (Trumpet), The Felson MacNeal Implosion (horns), Kris Wilinson (viola), David Davidson & David Angell (violins), Anthony LaMarchina (cello)

Sonstiges

  • Label

    Harlequin and Clown/Rough Trade

  • Spieldauer

    50:58

  • Erscheinungsdatum

    23.01.2015

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