Das Label Nordic Notes hat ganz offensichtlich die Sami-Musik für sich entdeckt. Und das ist genauso offensichtlich ein großes Glück für alle Musikhörer, die nach grenzüberschreitender Musik suchen.
Musik, die sich voll und ganz der Natur und ihren Geheimnissen widmet und dabei so geheimnisvolle, natürliche Klänge hervorbringt, die zum Einen nach der Schönheit eines Sonnentages und zum Anderen nach der donnernden Bedrohlichkeit eines furchteinflößenden Gewitters tönen können.
Mit TORGEIR VASSIK, einem norwegischen Sami-Musiker, erwartet uns nun ein sehr ungewöhnlicher Donnerschlag. Denn auf „Sapmi“ werden der gutturale, traditionelle Stimmen-Klang der Samen, der aus einer Mischung indianischer Gesänge und eines tiefen Jodelns sowie Oberton-Gesang besteht, kurz Joik genannt, mit einer besonderen Form weltmusikalischen Jazz‘, der vordergründig auf schamanischen Sami-Trommeln basiert, verbunden. Diese Musik ist definitiv einzigartig und beschränkt sich im Grunde auf das indigene, nordische Volk der Samen. Bekannt ist dieser Stil vielen Hörern sicherlich schon durch die „arktische Fee“ ELIN KAVEN, deren Album „Màizan Thaw“ bereits sehr erfolgreich in Deutschland veröffentlicht wurde. Und wenn ELIN KAVEN als Fee oder Elfe die leuchtende, helle Seite samischer Musik verkörpert, dann ist TORGEIR VASSVIK das finstere, beängstigende Gegenstück von ihr.
Auf „Sapmi“ versammeln sich 10 Songs, die sich allesamt auf das gleichnamige Siedlungsgebiet der Samen beziehen, welches sich von Regionen Norwegens über Schweden und Finnland bis hin zu Russland erstrecken. Der geheimnisvolle, manchmal fast gruselige Sound auf „Sapmi“, der sich jeder Beschreibung entzieht und nach einer wilden Mixtur aus Jazz, Worldmusic, Rock und indianischen Klanglandschaften klingt, die sich allesamt um Vassviks Stimme, die eher Instrument als vokale Musikbegleitung ist, drehen, wird durch jede Menge Instrumente in immer wieder andere Richtungen gelenkt. Akustische, elektrische und Bass-Gitarren spielen dabei ebenso eine bedeutende Rolle wie Kontrabass, Orgeln, Piano, Percussion, Trompeten, Glocken und Violinen oder Sägen und Plexiglas, welches perkussiv zum Klingen gebracht wird.
In Norwegen, wo dieses Album schon seit 2009 erhältlich ist, reagierte die Presse, wohl gerade der Ungewöhnlichkeit dieser Musik wegen, voller Überschwang und sprach von einem „Weltklasse-Weltmusik-Album“ bzw. beschrieb es als ein „dunkles, geradezu furchterregendes Album, das gleichzeitig ungeheuer viele Nuancen aufweist, denn plötzlich können die gewalttätigen Töne wunderschön und minimalistisch klingen“.
Noch schöner aber sind die Worte der bekannten norwegischen Musikerin JENNY HVAL, die hier zugleich als gelungenes FAZIT dienen sollen: „Vassviks Stimme klingt dick und hölzern. Und der heftige bluesige Sound seiner Begleitband mit Doppelbass, Drums und Trompete betont nur noch die Kraft und die rohe Einfachheit seines Ausdrucks. Seine Musik ist dunkel wie Asphalt und geht mitten ins Herz. Wir können nicht anders, wir werden unweigerlich Teil dieser Rhythmen und dieser Stimme.“
Und auch ich hätte es nicht besser ausdrücken können!
Erschienen auf www.musikreviews.de am 08.04.2015
Jan Martin Smordal, Jo Berger Myhre
Torgeir Vassvik
Jan Martin Smordal, Torgeir Vassvik, Kyrre Laastad, Jo Berger Myhre
Jan Martin Smordal
Kyrre Laastad, Torgeir Vassvik, Jan Martin Smordal
Eivind Lonning (Trompete), Espen Reinertsen (Tenor Saxophon), Ole-Henrik Moe Jr. (Bratsche und Säge), Kari Ronnekleiv (Violine und Glocken), Jo Berger Myhre (Plexiglas)
Nordic Notes
41:00
02.04.2015