Hier setzt sich jemand zwischen alle fabrikgefertigten Prog-Stühle und bringt frischen Wind in die muffige Szene, wobei man schon aufgrund der Beteiligung von Fagottistin Chloe Herrington beim Track "Death And The Mad Queen" vermuten mag, woher der Hase bei TROJAN HORSE läuft, denn ihre Hauptband CHROME HOOF lässt sich genauso wenig einordnen wie diese über drei Jahre hinweg geschriebenen und aufgenommenen Stücke ihrer Landsleute.
Das zwischen Orientalistik und Dada-Gesang schlingernde "Sesame" und das nicht einmal zweiminütige Ende "Fire! Fire!" stehen für den bunten Sound der Briten wie kaum ein anderes Stück auf "World Turned Upside Down", aber durchweg überkandidelt sind TROJAN HORSE nicht, vor allem keinesfalls des Selbstzwecks wegen.
Das sind nämlich auch mehrere eher Stille Momente zu hören, etwas der düster Soundtrack-hafte Achtminüter "Scuttle" oder das träumerische "Behemoth", dem das Drama von "Jurapsyche Park" gegenübersteht. Im wehmütigen "Death And The Mad Queen" beweisen sich die Leadsänger ferner als Könner auf dem Feld Melodieschreibe, wohingegen das GENTLE-GIANT-Gedächtnistitelstück und das härtere, liedhafte wie gewagte "Hypocrite's Hymn" (über zwölf Minuten lang und somit das Kernstück der Platte) den Wagemut von TROJAN HORSE bezeugen. Ihre harmonischen Qualtiäten zeichnen die Band letztlich hauptsächlich aus, quirliger Ansatz hin oder her.
Die zahlreichen kurzen Instrumentals beziehungsweise Zwischenstücke lassen das Album demzufolge auch nicht ausfransen, sondern wie das häufig angestrebte, selten erreichte Gesamtwerk anmuten. Wem etwa REGAL WORM zu schrill sind, der darf sich auf "World Turned Upside Down" einlassen und feststellen, dass Prog so viel mehr ist als das, was immer noch auf breiterer Ebene zwischen den Polen New Artrock und Retro-Einerlei hochgejubelt wird.
FAZIT: Checkt TROJAN HORSE an, eine frische wie traditionsbewusste Combo im Spannungsfeld aller progressiven Spielarten zwischen FLOYD und Fusion, das nun endlich auch einen anständigen Vertrieb gefunden hat, denn heraus kam es bereits 2015. Zum Nachholen ist es aber bekanntermaßen nie zu spät.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.05.2015
Lawrence Salvador Duke, Eden Ellis Duke, David William Hopkinson
Nicholas Joel Duke, Lawrence Salvador Duke, Eden Ellis Duke, Elaine Duke
Nicholas Joel Duke, Lawrence Salvador Duke, Richard Guy Crawford, Kavus Torabi
Nicholas Joel Duke, Lawrence Salvador Duke, Eden Ellis Duke, Danny The Red
Richard Guy Crawford, Nicholas Joel Duke, Danny The Red
Edward Sprake (Ukulele), William Gary Hamer (Posaune, Trompete), Semay Wu (Cello), Chloe Herrington (Fagott)
Bad Elephant / Just For Kicks
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24.04.2015