Traditionelles Liedgut ohne Deutschtümelei gefällig? Das TRIO ROSENROT interpretiert mehr oder weniger bekannte Schoten in einem klanglich ausgesprochen originellen Spannungsfeld aus Kammermusik, Jazz und genau dem richtigen Schuss Experimentierfreude (höre das materialhafte "Es waren zwei Königskinder"), wobei sich auszahlt, dass die beiden Instrumentalisten und ihre Sängerin nicht nur studierte Fachleute sind, sondern auch große Herzen zu haben scheinen.
"Lenz" erweist sich nämlich als sehr gefühlvolles Album, das insgesamt so gut funktioniert wie über einzeln herausgepickte Stücke. Gitarrist Hildenbrand begeistert mit ausgefallenen wie perfekt zur Gesangsstimme passenden Voicings, das Schlagzeug wird selten wie ein ebensolches "geschlagen" sondern dynamisch gestreichelt, was die atemberaubend "nahe" Produktion noch stärker hervorhebt.
So reiht sich Unbeschwertes wie "Zum Tanze, da geht ein Mädel" an Dramatisches - "Es geht ein dunkle Wolk herein" und "So treiben wir den Winter aus" entwickeln jeweils die Sogwirkung eines kraftvollen Rocksongs - und letztlich spannende Minimalismen wie "Du, du liegst mir im Herzen" oder "Der Mond ist aufgegangen", das man in dieser Form tatsächlich gar nicht tot hören kann, während es konventionell am eigenen Bett vorgetragen wohl Alpträume bescheren würde. Tolles Ding, das.
FAZIT: Mit dem TRIO ROSENROT werden alte Volkslied-Schinken nicht nur aktuell, sondern verlieren ihre Biederkeit und bieten zugleich zwingend arrangierte und dargebotene Musik, wie man sie von den Urhebern nicht erwarten konnte. In diesem Sinne: ein Schritt zurück, zwei vor - so funktioniert sinnvolle Entwicklung.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.01.2015
Jennifer Kothe
Hub Hildenbrand
Denis Stilke
Westpark
54:22
23.01.2015