Auf ihrem Debütalbum sind AWAITING DAWN zwar nicht vor DREAM-THEATER-Manierismen (Frühphase wohlgemerkt) gefeit, doch das passt trefflich zur eingeschlagenen Richtung - Progressive Metal der traditionellen Art, wie er darbenden Genre-Fans vor allem in den 1990ern zum Labsal gereichte.
Neoklassik-Anwandlungen insbesondere während der Unisono-Passagen, ausufernde Kompositionen generell und eine
gefällig zeitlose Art des Komponierens zeichnen die Mainzer aus. Der recht entspannte Schlagabtausch zwischen Keyboard und Gitarre zeugt von abgeklärten Musikern, die dennoch weiterhin ihre Emotionen sprechen lassen, sei es in "Breakout" zwischen knackig Hart und Zart oder anrührend während der Ballade "A Life Lost".
Sänger und Gitarrist Benjamin Reiter hält seiner Doppelbelastung in allen Situationen stand, zumal sich die Band sowieso wiederholt in längeren Instrumentalpassagen ergeht, ohne dass ihre Kompositionen zerfransen würden. Der allgemeine Tenor ist eher verspielter als betont technischer Art. Einen Hinhörer stellen unter diesem Gesichtspunkt übrigens die verwendeten Streicher und eine originale Kirchenorgel dar - ein Zeugnis von Liebe zum Detail und Sorgfalt.
Das Quintett bietet mit dem dramatischen "… And Heaven Full Of Clouds" inklusive Kirchenorgel-Sounds und gleich mehrerer sofort eingängiger Hooks mindestens einen Höhepunkt, den sich die Szene-Basis nicht entgehen lassen sollte. Letzten Endes …
FAZIT: … spielen AWAITING DAWN kaum etwas Überraschendes, aber melodisch klar konturierten Progressive Metal der altbewährten Art - schön wie selten dieser Tage, also definitiv relevant, nicht nur unter nostalgischen Gesichtspunkten.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.09.2016
Maik Seckler
Benjamin Reiter
Benjamin Reiter, Wolfgang Schneider
Peter Schnur
Felix Benz
Eigenvertrieb
60:19
12.08.2016