Diese Formation macht keine aberwitzige Musik, bietet aber schon allein aufgrund ihrer starken Besetzung eine breite Palette an Klängen und Stilen an, wobei "Wo fangts an" jedoch in keiner Weise wie ein zusammenhangloses Potpourri wirkt. Am Ende stellt man nur wieder einmal fest, dass im Grunde genommen alles Musik ist, wenn man es respektvoll zu verschränken weiß.
Die Österreicher bieten Mundart-Stoff mit Liedermacher-Qualitäten ("A Oaschloch allanech") und der "Jazzwerkstatt" zum Trotz wenig Jazz, der allenthalben anhand der avantgardistischen Erzählung "A Aggd" und einiger Free-Parts ("Mamma, sogd da Hausmasda", "Faschdeggn schbün") nachweisbar ist. Zudem erweckt die Klarinette - etwa in der Eröffnung der "Josef Mayer-Limberg Suite" - unweigerlich Klezmer-Assoziationen, aber anders als mehrheitlich im klassischen Jazz-Bereich - selbst inder Vokaldisziplin - genießen die Texte hier mindestens den gleichen Stellenwert wie die Musik als solche.
Selbige wurde fabelhaft arrangiert - notwendigerweise bei so vielen Akteuren, und schillert wie angedeutet in stilistischer Hinsicht: Da wäre etwa der Geigen-Walzer "Aufn Bunkt", der klagend getragene Stücke wie "Gemma bitte" und "En ana Eggn" ebenso kontrastriert wie das subtil stampfende "Fasink", oder der Akustikrock des Titelstücks bzw. von "Zaubern", welcher latent mediterranes Flair versprüht, nicht zu vergessen das Highlight "Schaun, zaahn, drahn" als stimmiger Opener … und irgendwo dazwischen ist Platz für einen Hauch Mariachi oder Flamenco.
FAZIT: Hübscher, aufregender Sound-Crossover mit südlichem Schmiss, akademischer Könnerschaft und einem gebührlichen Maß an Herz, das für schrankenlos und langfristig genießbare Musik unerlässlich ist.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.06.2016
Bernd Satzinger
David Müller, Peter Ahorner
David Müller, Peter Rom
David Müller, Clemens Wenger
Lukas König
Clemens Salesny (Saxofon, Klarinette), Klemens Lendl (Geige), Martin Eberle (Trompete, Flügelhorn), Martin Ptak (Posaune)
Cracked Anegg
58:50
01.07.2016