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Drifting Sun: Safe Asylum

Stil: Voluminöser Neo-Prog

Cover: Drifting Sun: Safe Asylum

Zwanzig Jahre nach dem Debüt erscheint das vierte Album der englischen Neoprogger DRIFTING SUN. „Safe Asylum“ hangelt sich grob an Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ entlang, beleuchtet dabei eher die dunklen Facetten der Geschichte, das Gefühl von Einsamkeit, Verlorenheit und die Suche nach Geheimnissen, Wahrheiten und Auswegen, beziehungsweise einem „Safe Asylum“.

Die Musik pendelt – wie gewohnt – zwischen hart und zart, wobei die Härte eher im Folk-Metal angesiedelt ist, als mit frickeligem Prog- oder noch schwereren Geschützen aufzuwarten. Abgeschmeckt wird mit einer Prise Mittelalter- und keltischem Rock.

Ohne sattsam bekannte Pfade zu verlassen, gelingt DRIFTING SUN das Kunststück, relativ eigenständig zu klingen. Nicht unschuldig daran sind die Sequenzen mit etwas holprig wirkenden, auf unbedarfte Art einnehmenden, Rhythmen sowie der gekonnte und exaltierte Gesang Peter Falconers, der auch im Chor-Verbund mit sich selbst eine gute Figur macht.

Dann gibt es noch die zahlreichen langen, geschmeidigen balladesken und symphonischen Momente, in denen Synthesizer überschwänglich jauchzen, die Orgel satt röhrt und das Klavier für grazile Einsprengsel sorgt, während die Gitarren druckvoll mit- und dagegen halten („Intruder“) oder die sehnsuchtsvollen Elegien schmachtend unterstützen. Ohne dass einem als erste Referenz David Gilmour einfällt. Wenn mit akustischen Instrumenten aufgespielt wird, ist Anthony Phillips ein möglicher Referenzpunkt. Aber das sollte man nicht überstrapazieren.

Der Song „Alice“ kommt gar konzertant daher, mit Streichertrio und Flöte. Es ist viel los im „Safe Asylum“, und was beim ersten, zweiten Hördurchgang etwas unbeholfen wirkt, gewinnt bei weiteren Durchläufen als Teil eines durchdachten und kompetent umgesetzten Konzepts. Das zwischen Gute-Nacht-Lied („Gods“) und sportivem Galoppel einiges zu bieten hat.

FAZIT: Der erste Eindruck täuscht. Wirkt „Safe Asylum“ zunächst wie ein ambitioniertes, in der Wahl seiner Mittel typisches Neoprog-Musical voller lyrischer Stellen, gepaart mit gediegener Härte, entdeckt man später weitere Haken, Ösen und ungewöhnliche Versatzstücke. Angefangen bei der teilweise rumpeligen Kirmesmentalität, macht die Band nicht Halt vor den EAGLES und einer „Hotel California“-Reminszenz („Wonderland“), und lässt beim Gitarreneinsatz auch mal Gary Moore statt der üblichen Verdächtigen aufblitzen. Also nicht leichtfertig nach den ersten Hörproben als gekonnt, aber geläufig (mit Stolpersteinen) abhaken. Es gibt einiges zu entdecken.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.09.2016

Tracklist

  1. King Of Hearts
  2. The Hidden Truth
  3. Intruder
  4. Alice
  5. Wonderland
  6. Gods
  7. Desolation
  8. Retribution
  9. Bonus Tracks on Limited Edition:
  10. Emphasis
  11. Vagabond

Besetzung

  • Bass

    Manu Michael

  • Gesang

    Pete Falconer

  • Gitarre

    Dan Storey

  • Keys

    Pat Sanders

  • Schlagzeug

    Will Jones

Sonstiges

  • Label

    Eigenpressung/Just For Kicks Music

  • Spieldauer

    62:39

  • Erscheinungsdatum

    20.05.2016

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