Nach "Favorite Waitress" scheint sich bei THE FELICE BROTHERS wenig bis gar nichts geändert zu haben, aber warum auch? Die Formation steht nach wie vor für klanglich vielfältige Americana im weitesten Sinn, was sich aktuell deutlicher denn je auch in ihren Texten widerspiegelt, die sich laut Label mit den gesellschaftlichen wie politischen Konflikten der Vereinigten Staaten auseinandersetzen.
Der angebliche Zynismus im Rahmen dieser Inhalte lässt sich allenthalben im lakonischen Organ von Namensgeber Ian Felice erahnen (ungefähr Bob Dylan in gut, um es ketzerisch auszudrücken), denn ansonsten ist auch "Life In The Dark" ein im besten Sinne herzensgutes Album geworden, was sich bereits beim tänzerischen Opener "Aerosol Ball" abzeichnet.
Dies bedeutet andererseits nicht, dass düsterer Momente ausgeblendet werden, denn das würde sowohl dem Titel als auch dem facettenreichen Stil der Band generell widersprechen. Dieser gewährleistet, dass sich etwa das Titelstück und "Triumph '73" als Balladen inszenieren lassen, ehe "Plunder" an den orgeligen Heartland Rock des Boss während der 1970er gemahnt.
Bei "Sally!" und "Dancing on the Wing" (Hit!) geht es dann Hillbilly-mäßig ab - hier meint man zu erkennen, dass THE FELICE BROTHERS dieses Ding in einer zum Studio umgemodelten Garage eingetütet haben -, bis das mit neun Minuten episch ausgefallene Abschlussstück "Sell the House" einen versonnenen, aber nicht missmutigen Endpunkt setzt. Es besteht also doch noch Hoffnung für den "big brother", richtig?
FAZIT: Sicher ist jedenfalls, dass THE FELICE BROTHERS mit "Life in The Dark" ihr farbenfrohes Folk-Rock-Pastiche nicht noch bunter gestalten, sondern passend zum lyrischen Hintergrund Traditionspflege betreiben, ihr Songwriting konsolidieren und so einen runden Konzeptteller zur Diskussion stellen. Eine solche regen auch die unbedingt lesenswerten Texte an.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.06.2016
Ian Felice, James Felice, Josh Rawson, Greg Farley
Yep Roc / Cargo
43:33
24.06.2016