40 Jahre jung sind THE FLESHTONES 2016 geworden … und machen was? Tatsächlich: Sie veröffentlichen eines der stärksten Alben ihrer Karriere, ohne nur ansatzweise etwas an ihrem Konzept zu erneuern.
"The Band Drinks For Free" mutet von vorn bis hinten regelrecht naiv an mit Keith Strengs Mick-Jagger-Nölen und der allgegenwärtigen Schweineorgel, dank Handklatschen und aufgrund der bewusst dünnen Produktion, in der einige feiste Riffs umso wuchtiger anmuten, als es in einem anderen Klangbild der Fall wäre.
Die Scheibe atmet New York, CBGB's und Aufbruchsstimmung, was natürlich nur nostalgischer Abglanz ist, doch die Songs strahlen dafür umso kräftiger. THE FLESHTONES zehren von ihrer langjährigen Erfahrung und berufen sich im Rahmen nahtloser Genre-Schwenks auf Gospel und Soul ("Love My Lover"), Honky Tonk ("Suburban Roulette"), sonnigem Psychedelic ("The Gasser", bissiger Text übrigens) und schlichtweg schepprigem Garagen-Stoff.
Das Schöne daran: Kompositorisch wirkt nichts von alledem irgendwie abgeschmackt, sondern vielmehr so, als ob es auf die Kappe junger Wilder ginge, die indes über einen ungeheuren Wissensschatz verfügen, was die Rockhistorie betrifft. In dieser Form könnte man sich THE FLESHTONES noch weitere 40 Jahre gefallen lassen. Zu dumm, dass Musiker zumindest rein biologisch nicht unsterblich sind.
FAZIT: THE FLESHTONES' 21. (!) Album ist ein Parforceritt durch die Geschichte des amerikanischen Rock 'n' Roll ab spätestens den 1960ern, eine gelungene Zeitreise und dennoch nicht zwanghaft retro. Sicher, kaum eine andere Band klingt derart authentisch "alt", aber das Songmaterial auf "The Band Drinks For Free" steht für sich selbst.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.09.2016
Ken Fox
Keith Streng, Peter Zaremba
Keith Streng
Peter Zaremba
Bill Milhizer
Yep Roc / H'art
37:12
02.09.2016