Angetreten, um dem Rock im Radio in den Arsch zu treten, weiß das italienisch-deutsch-ukrainische Gespann von THE LAST FIGHT vermutlich, dass das auf lange Sicht ein Kampf gegen Windmühlen sein muss – und gliedert sich mit dem braven Rocker „Ave“ letztlich selbst artig ein in die verhältnismäßig hohe Belanglosigkeit von Rundfunkempfangsmassenbeschallung.
Klar sind diese 41 Minuten Rock zwischen Indie und Alternative im Durchschnitt hochwertiger als etwaige Programme von Sendern mit hohem Traffic, aber nicht übermäßig bedeutsamer. Es handelt sich um eine Kollektion leicht auskoppelbarer Songs, die gezielt als Crowdpleaser konzipiert wurden. Der Zweck einer jeden Passage ist offensichtlich: von Akustikgitarren angetriebene Stellen sollen Verschnaufpausen bieten, geradlinige Humpa-Rhythmik soll Antrieb verschaffen, James Dinis warme Stimme soll das Nebenbeihören beim Haushalt oder Autofahren ermöglichen. Etwas stärker in Erscheinung tritt er allenfalls in den Strophen von „Peepheree“, wo er Endungen auf „er“ und das „happens“ in „shit happens“ extravagant betont – das Stück selbst endet dennoch in einem typischen Energy-Refrain für das Stadion.
Revolutionen löst man damit nicht aus. Eher versucht sich die Truppe an Guerilla-Taktiken und bezweckt die Infiltration von innen heraus. Aufnahme durch Anpassung – funktioniert da draußen immer ganz gut und macht sich schlussendlich dann auch durch ein gespieltes COLDPLAY-Vorprogramm bemerkbar. Eigene Hits landet man allerdings in erster Linie durch die Preisgabe von Individualität wenigstens einen Song weit (und wenn der Pöbel dann angebissen hat, kopiert man diesen Song einfach wieder und wieder, bis die Kuh ausgemolken ist). Die lässt sich vielleicht noch vom interessanten Artwork ableiten, weniger jedoch vom Inhalt, der sich dahinter verbirgt.
FAZIT: „Ave“ ist keinesfalls eine Scheißplatte. Gemessen an den eigenen Ansprüchen rockt es ganz ordentlich und leistet sich keine allzu herben Ausfälle, wobei „The Importance Of Being Connected“, „Peepheree“ und das härtere „Toy Boy“ schon irgendwie herausragen und die balladeskeren Titel abfallen. An Identität mangelt es dem Album jedoch ziemlich. Lokale Rockimporte wie GUANO APES oder die H-BLOCKX haben zuletzt deutlich schwächere Arbeiten vorgelegt, können aber wenigstens auf handfeste Ursprünge zurückgreifen; THE LAST FIGHT bleiben einen solchen noch schuldig und sind bis dahin unsichtbarer Durchschnitt.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.01.2016
Yaroslav Bebko
James Dini
Leon Cohnen, James Dini
Gigi Colombo
Be True Music / SPV
41:15
29.01.2016