Verblüffend kompakt zeigen sich die kultigen Pflicht-Russen THE RE-STONED auf ihrem auch optisch höchst ansprechenden neuen Album. "Reptiles Return erscheint in einer auf 33 Einheiten limitierten CD-R Box (zwei Bonustracks), vor allem aber beim wunderbaren Liebhaber-Label Clostridium Records auf hochwertigem (Farb-)Vinyl. Der Inhalt gestaltet sich ebenso bunt und ganz ohne improvisatorischen Ballast, weshalb man die Stimme diesmal so wenig vermisst wie nie bei dieser Band.
Ausgehend vom triumphalen Slide-Opener "Return" über den orgeligen Kompakt-Hit "Run" mit seinen schrulligen Einwürfen hinweg zum bluesigen Bergriesen "The Mountain Giant" (tolle Dynamik, klasse zurückgelehntes Schlagzeugspiel) führt der atemlose Auftakt. Erst gestatten uns THE RE-STONED eine kurze wie kurzweilige Verschnaufpause mit "Sleeping World" und "Winter Witchcraft", das irgendwie an eine gesangslose Version von BLACK SABBATHs "Planet Caravan" gemahnt.
Diesen Eindruck forciert "Walnut Talks" mit Percussion zusätzlich, aber THE RE-STONED bleiben THE RE-STONED. Mit "Flying Clouds" weisen sie unterbewusst darauf hin, dass die letzte MY SLEEPING KARMA hätte noch besser sein können, wären die Deutschen in der Lage gewesen, sich kürzer zu fassen. Wie üblich thront über allem Ilya Lipkins Gitarrenspiel, das nahezu unverkennbar ist, und der Eindruck, es handle sich bei allen Songs um die gleiche Besetzung, besteht zwar, führt aber in die Irre. Dass die Beteiligten dennoch so homogen aufspielen, ist so erstaunlich wie die zu Anfang angesprochene Kompaktheit insgesamt.
Das malerisch possierliche Schlusstück beendet den regulären Teil des Albums mit einem gedachten Seufzer seitens des Hörers. Schon so ist die Scheibe vorbehaltlos allen Psych-, Space-, und generell Classic-Rockern zu empfehlen, aber nun zur Verlängerung auf CD. Der Redaktion liegt das Vinyl vor, doch Bandcamp macht's möglich …
"Sharp Fire On The Hill" lädt mit süßlichem Gitarrenton in den erwähnten Weltraum ein und bietet die knorrigsten Riffs der gesamten Platte, ehe "Forgive Me, My Lizard" einen kurzen Blues ohne rhythmische Unterfütterung markiert. Zumindest dieses Stück ist für Plattenliebhaber entbehrlich, doch das vorangeganngene möchte man eigentlich auch auf schwarzem oder eben buntem Gold nicht missen. Kleiner Schönheitsfehler.
Das FAZIT steht im vorletzten Abschnitt der Rezension.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.08.2016
Ilya Lipkin, Arkadiy Fedotov, Vladimir Muchnov, Vladimir Nikulin
Ilya Lipkin
Arkadiy Fedotov
Andrey Pankratov, Ivan Fedotov, Evgeniy Tkachev
Clostridium
44:32
15.07.2016