Im elften Jahr ihres Bestehens haben es THE TEMPLE endlich geschafft, ein erstes Album zu veröffentlichen, und tun einen Teufel, ihren melodischen und darob leicht antiquierten Doom in irgendeiner Weise durch zeitgeistige Tendenzen wie Schreigesang (Sludge) oder Gewaber (Drone) auf bzw. abzuwerten. "Forevermourn" ist dem klischeehaften Title gemäß ein waschechter Wiedergänger dessen, was nach CANDLEMASS und SOLITUDE AETERNUS nur wenige auf originelle Weise weiterführten.
Dazu bedarf es eben frischer Anregung, und die holen sich die Griechen nicht, sondern suhlen sich im eigenen Saft. Die teils überlangen Songs bestehen aus simplen Kadenzen, worüber schwelgerische Gitarrenleads gelegt werden, während Father Alex mit recht dünner, leicht jammernder Stimme in höheren Registern trällert. Die WARNING-Fraktion kennt das in geilerer, weil authentisch "gelittener" Form, wohingegen es hier arg gewollt klingt, eben weil die Gruppe den Konventionen ihrer Szene entsprechen möchte.
Das macht die Scheibe beileibe nicht schlecht, doch eingedenk des lediglich durchschnittlichen Kompositionsvermögens des Trios - es wirkt mitunter tatsächlich noch wie ein Studioprojekt, das Ideen krampfhaft aneinanderklebt, statt sie unter Schweiß in einem Proberaum zu bearbeiten und abzurunden - rangiert sie nicht höher als im breiten Mittelmaß, und das ist angesichts der Veröffentlichungsschwemme im Underground wie Mainstream noch zu wenig.
Typisch griechische Angelegenheit also: Nur wenige Bands aus dem Land etablieren gerade im klassischen Metal eine eigene Handschrift, wenngleich sie alle ein episches Moment gemein haben, das sich allerdings im Black Metal weit zwingender gestaltet (höre MACABRE OMEN oder die Urväter ROTTING CHRIST und NECROMANTIA). Anspieltipp: das achtminütige "Remnants" aufgrund seines eingängigen Kehrverses.
FAZIT: Bei der nächsten akustischen Meldung nicht wieder zehn Jahre verstreichen lassen und eine deutliche Entwicklung hin zur Eigenständigkeit bewesisen, dann klappt es mit euch, THE TEMPLE. Bis dahin seid ihr eine lebenswerte Fan-Veranstaltung mit gediegenem Klang und handwerklichem Geschick.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.04.2016
Father Alex
Father Alex
Stefanos, Phelipe
Paul
I Hate Records
54:19
18.03.2016