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The Tex Avery Syndrome: Wolfcity (EP)

Stil: Hardcore Metal

Cover: The Tex Avery Syndrome: Wolfcity (EP)

Mit THE TEX AVERY SYNDROME beschreibt sich das hessische Quintett nicht nur selbst, sondern gleich seine gesamte Stilrichtung – unwillentlich, wenn man unterstellt, dass der Bezug auf den US-Trickfilm-Guru Tex Avery Individualität sichern sollte. Doch wieviele junge Bands aus dem Hardcore-Metal-Segment gibt und gab es immer schon, die nach einer Kombination aus Screwy Squirrel und schwerem ACME-Amboss klingen wollten, ohne sich dessen vielleicht selbst bewusst zu sein.

So ist die größte Leistung dieser Newcomer vielleicht die Gewahrwerdung und Ausformulierung ihrer Charakteristika. Wo andere sich hinter ihren Instrumenten einfach bloß wie Comicfiguren verhalten, reflektieren die Texaner, äh, Frankfurter / Offenbacher, ihren Status mit einem griffigen Bandnamen und Cartoon-Einspielern zwischen den Songs. Wobei letztere weniger eine Seltenheit als solche darstellen, sondern eher der Bezug zu Old-School-Zeichentrick überrascht – normalerweise sind es Peter Griffin, Cartman & Co., die zwischen den Zeilen grüßen.

Ein zusätzlicher Joker liegt außerdem mit Laura Gierl in der Hand. Eine hübsche Frontfrau (mit Zeug zur Frontsau), die überzeugend genug grunzen und shouten kann, dass Geschlechtsmerkmale völlig unsichtbar werden, ist zweifellos ein Verkaufsargument. Kein Wunder, dass sich die Band bei der Vermarktung auf ihre Sängerin konzentriert, die tatsächlich etwas aus der Masse ragt. Einschränkend ist natürlich zu sagen, dass technisch auch auf diesem Gebiet Luft nach oben besteht, aber das fällt nicht allzu arg ins Gewicht – schließlich liegen hier Ansprüche an einen guten, schnellen Samstagmorgen-Cartoon und nicht an ein Disney-Epos.

An der Baukastenform des Songmaterials ändert das freilich nichts. Relativ langweiliger Sound trifft auf Retortenriffs, die nur auf Härte aus sind - das ist Stoff, mit dem man sich die Rübe abdichten kann, der aber sicher nicht zur Inspiration beflügelt. Man hätte beim Tex-Avery-Versprechen vielleicht etwas mehr Hase und Igel erwartet oder ein paar verrückte Twists.

Nun, die gibt es immerhin bei der Verpackung. Es ist lange her, dass der Promo-Schreibtisch etwas von so liebevoller Gestaltung tragen durfte. Die CD, obgleich nur in einer Papphülle geliefert (das wird wohl bei einer Verkaufsversion anders sein), kommt in stilechter Vinyloptik mit schwarzer Unterseite und Rillenmuster auf der Front. Als Beilage gibt es einen braunen Briefumschlag, rundum bedruckt mit dem Bandlogo, Tropfenmustern, Frankfurter Poststempel, XXX- sowie Parental-Advisory-Stempel. Versiegelt ist er mit echtem Wachs (mit „T“-Stempel). Man traut sich gar nicht, das Ding zu öffnen…

FAZIT: Harter Standard-Metal zur Abreaktion und Moshpitbildung. Besonderheiten Mangelware, abgesehen von der Shouterin (äußerst rar sind die Stellen auf der Platte, in denen eine Ahnung von Weiblichkeit zutage tritt) und der CD-Beigabe. Mit immerhin einer Shakespeare’schen Fragestellung: Umschlag öffnen oder nicht öffnen…

Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.02.2016

Tracklist

  1. Sink
  2. Song For Edda
  3. Zombination
  4. Old Enough
  5. How To Carry The World
  6. Wolfcity

Besetzung

  • Bass

    Thomas Mück

  • Gesang

    Laura Gierl, Nico Meister

  • Gitarre

    Christoph Kipper, Nico Meister

  • Schlagzeug

    Alex Emmerling

  • Sonstiges

    Alex Emmerling (FX Samples)

Sonstiges

  • Label

    Finest Noise

  • Spieldauer

    20:30

  • Erscheinungsdatum

    19.02.2016

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