Für TIMOR ET TREMOR ist es an der Zeit, sich nicht mehr auf ihrem Jungspunds-Bonus auszuruhen und als ernsthafter Player auf dem Feld des modernen (Post) Black Metal zu begreifen. Immerhin sind diese Musiker schon lange genug dabei und sollten etwas Eigenständiges verzapfen, was ihnen mit ihrem aktuellen Album so gut gelingt wie zuvor nicht.
Letzten Endes lässt sich "For Cold Shades" zwar bequem zwischen anderen aktuellen Szene-Bands aus Mitteleuropa und speziell Deutschland einordnen, aber in diesem Milieu agieren TIMOR ET TREMOR in einer kleinen eigenen Nische. Dabei macht die Kombination vertrauter Stilmittel den entscheidenden Faktor aus: Stiltypische Raserei im Verbund mit durchweg melodischem Fokus und leider gleichförmigem Gesang ergibt acht zum Glück nicht allzu lange Songs, die für sich genommen bestehen können, ohne dass man sie großartig voneinander unterscheiden könnte.
Dafür können und wollen (vermutlich) TIMOR ET TREMOR keine Hooks schreiben, die sich so schwerwiegend ausmachen, dass man die Kompositionen nicht mehr vergisst. Das macht "For Cold Shades" zu einem Album, dessen Mangel an Dynamik man als kunstvolles Mäandern schönreden oder in Kritik ziehen kann. Es plätschert gefällig, und gäbe es nicht so viele Alben selbst größerer Namen, die das Gleiche tun, würde man sich das mit einer überdurchschnittlichen Wertung gefallen lassen. Da man jedoch aus Unmengen von Veröffentlichungen dieser Art wählen kann, zeigt der Daumen nur knapp in die Waagerechte.
FAZIT: Harmloser Black Metal im Stimmungsspektrum neuerer SECRETS OF THE MOON ohne Zähne und vor allem britischer Bands wie WODENSTHRONE und WINTERFYLLETH, gleichwohl ohne prominent archaische Ästhetik.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.08.2016
Florian
Hendrik
Martin, Maro
Jan
Trollzorn / Soulfood
44:09
05.08.2016