Auch die vierte Scheibe von TINY FINGERS besteht aus live eingefrorenen Schaffensmomenten, konkret Material aus Aufnahmesitzungen während einer Tournee durch Nordamerika 2012. Wo wir gerade dort sind, treiben sich nicht weit entfernt TORTOISE herum, deren Musik man auf “We Are Being Held By The Dispatcher” dezidiert herauszuhören meint.
Daneben sind es die immer noch allgegenwärtigen MOGWAI, zu welchen sich Assoziationen herstellen lassen, und zur Zeit seiner Entstehung scheuten sich TINY FINGERS auch nicht vor Sprachsamples, denn DJ Adir Dadia durchzieht das gesamte Material mit ebensolchen, weshalb sich wieder einmal der Eindruck verhärtet, man lausche einem Filmscore (Stichwort "The Fall", 2015). Bei eingehender Befassung – und die ist ausnahmsweise bei dieser eigentlich nicht schwer zugänglichen Combo notwendig – tun sich wiederkehrende Fragmente melodischer wie rhythmischer Art hervor, ohne dass man von Leitmotiven sprechen möchte, denn in sich geschlossen wirkt das Album nur wegen der erwähnten Stimmfetzen.
Mit ihren Ideen haben sich die Israelis nie so weit aus dem Fenster gelehnt wie auf dieser Platte, weswegen man sich ihr wohl am besten zuletzt widmet, nachdem man die Erzeuger für sich entdeckt hat … vorzugsweise mit “Megafauna”, einem völlig anderen Gesicht der Musiker aus demselben Jahr.
FAZIT: TINY FINGERS sind eine unverkennbare Post-Rock-Band mit vielen Gesichtern, und wer generell auf Musik zwischen 65DAYSOFSTATIC und KONG kann, sollte auch "We Are Being Held By The Dispatcher" lieben lernen, gleichwohl es wie gesagt schwieriger ist als mit neuereren Werken der Gruppe.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.05.2016
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43:45
13.05.2016