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Tony Joe White: Rain Crow

Stil: Swamp Rock/Southern Blues

Cover: Tony Joe White: Rain Crow

Mehr als dreißig Veröffentlichungen (Live-Alben und Soundtracks mitgerechnet) hat Tony Joe White seit 1968 vorgelegt. Gleich sein Debüt enthielt mit „Polk Salad Annie“ einen seiner größten Hits. Daneben liehen sich zahlreiche Interpreten seine Songs, exzessiv beispielsweise Tina Turner, deren „Foreign Affair“ gleich vier White-Kompositionen enthielt, von denen „Steamy Windows“ die bekannteste und erfolgreichste sein dürfte.

Chartskompatiblen Soul-Pop darf man von Tony Joe White auf seinen eigenen Erzeugnissen natürlich nicht erwarten. Viel Seele schon, die irrlichternd aus den weitläufigen Sümpfen Louisianas aufsteigt. „Rain Crow“ ist lupenreiner Swamp Rock, hypnotisch, rhythmisch so karg wie akzentuiert. White reichen ganz einfache Mittel, um seinen atmosphärischen, dicht gewobenen musikalischen Schleier auszuwerfen. Dazu gehört die puritanische instrumentale Rock’n‘Roll-Grundausstattung Gitarre, Bass und Drums, gelegentlich erweitert um eine flehentliche Harmonika und dezente Keyboards.

Und dann diese Stimme: Hauchend, nuschelnd, knurrend, tiefenentspannt, geprägt von Erfahrung und dem ein oder anderen Schwarzgebrannten. Tony Joe White ist mehr inbrünstiger Rezitator als begnadeter Sänger; angefangen beim „Hoochie Woman“, die Gesellschaft vom „Smoochie Man“ bekommt (und nicht vom Blues-Mythos, dem „Hoochie Coochie Man“), bis zur finalen Krönung, dem einprägsamen „Tell Me A Swamp Story“. John Trudell trifft auf Dr. John, ein indianischer Beschwörungstanz in Zeitlupe, Voodoo, Gespenster in den Sümpfen, der „Angel of Death“ schleicht sich unaufhaltsam heran.

Die anderen Songs halten mit, erzeugen einen stetigen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Mit gekonnter Selbstverständlichkeit wird unterschwellige Spannung aufgebaut und gehalten, ohne große Posen und aufgesetzte Lässigkeit. Alles ist in brodelndem Fluss.

FAZIT: „Rain Crow“ ist ein kleines Meisterwerk des eindringlichen Stoizismus. Tony Joe White genügen Blues-Rock-Country-Fragmente, kurz angerissene Saiten und Soli, in den Sumpf geworfene Tonfetzen aus der Mundharmonika, knappe Rhythmen und geisterhaft schwebende Orgelklänge, um auch nach rund vierzig Schaffensjahren sein eigenständiges musikalisches Swamp-Noir-Gebräu zu erzeugen. Faszinierendes, intensives Album.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.07.2016

Tracklist

  1. Hoochie Woman
  2. The Bad Wind
  3. Rain Crow
  4. The Opening of the Box
  5. Right Back in the Fire
  6. The Middle of Nowhere
  7. Conjure Child
  8. Where Do They Go
  9. Tell Me a Swamp Story

Besetzung

  • Bass

    Steve Forres

  • Gesang

    Tony Joe White

  • Gitarre

    Tony Joe White

  • Keys

    Tyson Rogers

  • Schlagzeug

    Bryan Owings

  • Sonstiges

    Tony Joe White (harmonica)

Sonstiges

  • Label

    Yep Rock (H'Art)

  • Spieldauer

    45:10

  • Erscheinungsdatum

    27.05.2016

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