Das fränkische Quartett TOXIGEN spielt handelsüblichen, glatten Melodic Punk mit knalligem Sound und engagierten bis den Hörer gleichgültig zurücklassenden Texten, gefällt aber aufgrund seiner spürbaren Bemühungen, nicht in der Deutschrock-Spur zu laufen.
Inhaltlich zeichnet sich "Lebenszeichen" durch Aufbruchsstimmung und verhaltene Kritik am Status quo aus ("Erhebt die Stimme"), aber die Musiker agieren so angepasst, wie sie auf dem Backcover aussehen. Nicht dass Äußerlichkeiten zählen würden, sie gehören aber dazu und sprechen für sich. Wie dem auch sei, speziell die poppige Note, mit der sich TOXIGEN geschickt massenkompatibel aufstellen, gefällt immer wieder, zuerst im Semi-Stadionhit "Träume" (cooles Solo) und im weiteren Verlauf sowohl während des gedämpften "Die letzte Träne" (ausnahmsweise originell instrumentiert und arrangiert) als auch im treibenden "Bis zu diesem Tag".
Man ist also gespalten, was den Gesamteindruck der Scheibe betrifft. Einerseits sind TOXIGEN eine objektiv betrachtet gute Rockband für ein breites Publikum, andererseits stellt sich zumindest im Hause dieses Rezensenten die Frage, wo sich die Zielgruppe für "Lebenszeichen" findet. Im Radio ließe sich prinzipiell einiges von dieser Band spielen, doch dafür bräuchte sie ein schlafkräftiges Label, alldieweil "echte" Punks oder gar die FREI.WILD-Fraktion (zum Glück) die Nase vor so viel "Bravheit" rümpfen dürfte.
FAZIT: Pop Punk mit zahlreichen Anleihen im schlichten Mainstream Rock - nicht mehr und nicht weniger bietet "Lebenszeichen", ein stimmiges ebensolches einer Band, die unbedingt ein schärferes Profil bräuchte. Wie gesagt, vieles von TOXIGEN hört sich einfach nur "egal" an.
Punkte: 5/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.02.2016
Reu
Reu
Stefan, Dominik
Joh
Metal Spiesser / Soulfood
37:03
12.02.2016